Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

ZAHNMEDIZIN | 71 einer dünnen Luer-Lock-Applikationskanüle vom Typ 45 (Innendurchmesser circa 0,25 mm) portionsweise auf den zervikalen Kavitätenrand aufgetragen (Abbildungen 2c und 2d). Dabei erfolgte das Aufbringen des fließfähigen Komposits in circa fünf kleinen Portionen. Nach Aufbringen der ersten Portion erfolgte eine kurze Lichthärtung für circa 2–3 Sekunden. Anschließend erfolgte das gezielte Auftragen der zweiten Portion, wieder gefolgt von einem kurzen Lichthärtungsimpuls. Nach diesem Schema wurden weitere Portionen des fließfähigen Materials appliziert, bis eine Art „Wanne“ im zervikalen Bereich ausgeformt war. Nach Aufbringen der letzten Portion wurde eine Lichtpolymerisation von 20 Sekunden vorgenommen. Im Anschluss daran konnte hochviskoses Kompositmaterial mit einem kleinen Spatel in die Kavität appliziert und abschließend für 20 Sekunden lichtpolymerisiert werden (Abbildung 2e). Die Ausarbeitung und Politur der Restauration erfolgten mit oszillierenden, diamantbelegten Feilen, Steinchen und Silikonpolierern (Abbildung 2f). Nach einem halben Jahr sowie drei Jahre nach Applikation erwies sich die Restauration weiterhin als funktionstüchtig (Abbildungen 2g und 2h). Abbildung 3 zeigt einen weiteren Fall nach sieben Jahren Tragedauer, bei dem die beschriebene Technik bei der Füllungslegung zur Anwendung kam. Kritische Würdigung des Vorgehens Dieser Beitrag mit der hier beschriebenen Technik ist, soweit dem Autor bei der Recherche bekannt geworden ist, die erste Beschreibung ihrer Art zur Wiederherstellung von Klasse-VLäsionen. Die BERK®-Technik, bei der zunächst auf eine sichere Versiegelung des kritischen, gingivanahen zervikalen Randbereichs fokussiert wird, erleichtert dem Behandler in den darauffolgenden Schritten die saubere Applikation des weiteren Füllungsmaterials. Die vorsichtig und punktuell-gezielt zur Versiegelung angelegte „Wanne“ führt zu einer Wegverlagerung des Randes von der Gingiva. Sie stellt sicher, dass es beim weiteren Einbringen von Füllungsmaterial in die Kavität nicht mehr zu einem Konflikt mit der angrenzenden Gingiva kommt und sich der Behandler vollends auf die übrigen Anteile der Kavität konzentrieren kann. Die fertige „Wanne“ dient quasi als eine Art Matrize während der folgenden Schritte. Die Technik eignet sich somit nicht nur für Klasse-V-Kavitäten, sondern für alle direkten Restaurationen, bei denen zunächst kritische (zum Beispiel Gingiva-nahe) Bereiche gezielt aufgebaut und versiegelt werden, bevor weitere Füllungsschritte erfolgen. Bei der Restauration der Kavität wurde zur Kontaminationskontrolle dem Legen eines Retraktionsfadens gegenüber der Applikation von Kofferdam der Vorzug gegeben. Dies geschah im Einklang mit Beschreibungen in der Literatur, die zeigen, dass bei sorgfältiger Vorgehensweise die beiden Methoden im Hinblick auf die Langlebigkeit von Klasse-V-Restaurationen ebenbürtig sind [Loguercio et al., 2015]. Wenn jedoch die Kontamination einer Kavität während des gesamten Arbeitsprozesses schwer zu kontrollieren ist, empfiehlt es sich immer, einen Kofferdam zu verwenden. Die Dentinoberflächen wurden mit Schleifern beziehungsweise durch Sandstrahlen angefrischt und gereinigt, was bei erodiertem oder sklerosiertem Dentin für den optimalen Haftverbund eines Adhäsivs zwingend notwendig ist [Deari et al., 2017; Zhang et al., 2024; Lima et al., 2021]. Häufig beeinträchtigt eine Blutung der angrenzenden Gingiva nach der Kavitätenpräparation von Klasse-V-Läsionen die Haftschritte und die Anwendung des Komposits. In diesen Fällen ist es wichtig, dass vor der Anwendung des Retraktionsfadens eine vollständige Blutstillung erreicht wird. Die Blutstillung kann beispielsweise mit Aluminiumchlorid oder Eisensulfat als blutstillende Mittel erreicht werden. Es ist zu beachten, dass alle Hämostyptika die Bildung eines Präzipitats auf den Kavitätenoberflächen zur Folge haben. In Bezug auf die Kontamination mit einem der beiden oben genannten Mittel ergab eine Studie, dass die anschließende Verwendung eines Etch- &-Rinse-Adhäsivs zu einer besseren Randdichtigkeit von Kompositrestaurationen führte als die Verwendung eines Self-Etch-Adhäsivs [Groddeck et al., 2017]. Um jegliche Art von Präzipitaten und Verunreinigungen zu entfernen, empfehle ich, die Oberfläche vor dem Auftragen der Adhäsive durch Sandstrahlen mit Aluminiumoxid zu reinigen. Dies muss natürlich vorsichtig erfolgen, um keine erneuten Bluzm116 Nr. 04, 16.02.2026, (261) Abb. 3: Klasse-V-Eckzahn-Versorgung aus einer anderen Falldarstellung: a) Vorbereitung der Kavität mit Bearbeitung des koronalen Wurzelanteils zur Reinigung und Wurzelzemententfernung mittels oszillierender Feile b) Zustand unmittelbar nach Fertigstellung und Politur sowie c) nach acht Jahren Liegedauer der Restauration Fotos: Thomas Attin a c b

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