Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

16 | ZAHNMEDIZIN bereich und eine strengere Auswertung zurückführen. Deutliche Unterschiede zeigten sich bei der Operationsdauer: Die Implantation mit statischer Bohrschablone war signifikant am schnellsten, gefolgt von der dynamischen Navigation. Die robotergestützte Implantation benötigte aufgrund von Kalibrierungs- und Registrierungsprozessen die meiste Zeit. Hinsichtlich Wundheilung, Weichgewebsdurchblutung und Sauerstoffsättigung ergaben sich keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Patienten der Bohrschablonengruppe berichteten am dritten postoperativen Tag über eine leicht bessere mundgesundheitsbezogene Lebensqualität, während das Schmerzempfinden und die generelle Akzeptanz vergleichbar waren. Diskussion Die Ergebnisse bestätigen, dass alle drei computerassistierten Verfahren eine hohe Präzision ermöglichen. Der Vorteil der Robotik liegt in der nahezu systemfehlerfreien Umsetzung der Planung, geht jedoch mit einem deutlich höheren zeitlichen und technischen Aufwand einher. Die dynamische Navigation bietet ergonomische Vorteile und einen besseren Zugang im Seitenzahnbereich, erfordert aber Erfahrung und Schulung. Die statische Bohrschablone überzeugt weiterhin durch Effizienz und kurze Behandlungszeiten und darf auch nach dieser Untersuchung weiterhin als Goldstandard angesehen werden. Aus klinischer Sicht muss kritisch festgestellt werden, dass die höhere Präzision der Robotik bislang nicht mit messbaren Vorteilen hinsichtlich der Heilung oder der Patientenzufriedenheit verbunden war. Des Weiteren ist die Fallzahl begrenzt und Langzeitergebnisse fehlen. Fazit für die Praxis „ Alle drei Verfahren ermöglichen eine klinisch zuverlässige Implantatpositionierung. „ Die statische Bohrschablone bleibt ein effizienter, praxistauglicher Standard. „ Die dynamische Navigation kann den Zugang im Seitenzahnbereich erleichtern, erfordert jedoch viel Erfahrung. „ Robotergestützte Systeme erreichen die höchste Planungsgenauigkeit, sind derzeit aber zeit- und kostenintensiv. „ Ein klarer klinischer Zusatznutzen der Robotik gegenüber den etablierten Verfahren ist bislang nicht belegt. Die Studie: Shi JY, Wu XY, Lv XL, Liu M, Fu XJ, Liu BL, Lai HC, Tonetti MS: Comparison of implant precision with robots, navigation, or static guides. J Dent Res 2025;104(1):37–44. doi:10.1177/00220345241285566. zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (298) Abb. 2: Vorbereitung der Operation mit Insertionsroboter (hinter dem Behandlungsstuhl, aufgenommen in Guangzhou Medical University, Guangzhou, China) Foto: Florian Beuer Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, MME CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre Charité – Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin Foto: Privat AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßig über interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. (a.D.) Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (bis 31.12.2023) Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universität Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz GLOBALE ABWEICHUNGEN Assistenzsystem Plattformabweichung (mm) Apexabweichung (mm) Winkelabweichung (°) Robotergestützt (RS) 1,1±0,4 1,5± 0,6 4,7 ± 2,5 Dynamische Navigation (DN) 1,3±0,6 1,9± 0,9 5,5 ± 3,5 Statische Bohrschablone (SG) 1,1±0,6 2,0± 1,2 6,2 ± 4,0 Tab. 1: absolute Differenz zwischen geplanter und tatsächlich erreichter Implantatposition (N = 15 pro Gruppe) Quelle: Beuer

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