EDITORIAL | 3 Ein Sieg der Vernunft – unwahrscheinlich Außerdem beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mit der Frage, warum angestellte Zahnärztinnen immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Das kommt vor allem bei der Umsatzbeteiligung zum Tragen. Wir sprachen darüber mit Dr. Juliane von Hoyningen-Huene, angestellte Zahnärztin in Berlin und Vizepräsidentin von Dentista. Sie gibt Tipps, wie Zahnärztinnen ihren Wert richtig in Gehaltsverhandlungen einbringen. Der mehrtägige Stromausfall in Berlin Anfang Januar hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und gezeigt, wie plötzlich und unvorhersehbar Zahnarztpraxen tagelang lahmgelegt werden können. Solche oder ähnliche Situationen sind ja durchaus denkbar – aus welchen Gründen auch immer. Praxisinhaberinnen und -inhaber sollten sich zusammen mit ihren Teams daher gegen mögliche Krisensituationen wappnen. Wir zeigen Ihnen, wie. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur Die Sachlage ist so eindeutig wie belegt: Zu viel Zucker schadet der Gesundheit. Diabetes, Adipositas, Karies etc. – alles mit hohem Zuckerkonsum assoziiert. Und Zucker ist allgegenwärtig. Kaum ein Fertiggericht kommt ohne Zucker aus. In der Liste der Inhaltsstoffe oft vernebelt hinter den verschiedenen Darreichungsformen wie Fructose oder Lactose. Völlig ungehemmt treten allerdings die wahren Zuckerbomben in Form von Softdrinks und Energydrinks auf. Hier wird der Körper binnen kürzester Zeit mit einer hohen Menge Zucker geflutet. Sage und schreibe 7,7 Milliarden Liter zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke wurden 2024 in Deutschland hergestellt. Das sind 93 Liter pro Kopf. Besonders beliebt sind diese Drinks bei Kindern und Jugendlichen, weshalb hier dringender Handlungsbedarf besteht. Als probates Mittel, den Zuckergehalt in diesen Drinks zu reduzieren, hat sich in anderen Ländern eine Herstellerabgabe, landläufig Zuckersteuer genannt, erwiesen. Nun könnte man von diesen Erfahrungen ja hierzulande profitieren. Mit 60 Prozent spricht sich inzwischen auch eine klare Mehrheit der Deutschen für eine solche Abgabe aus, wie eine aktuelle forsa-Umfrage zeigt. Spricht also alles für eine zügige politische Umsetzung, sollte man meinen. Mitnichten. Denn in der Union ist man sich alles andere als einig. Bezeichnenderweise ist ausgerechnet Ernährungsminister (!) Alois Rainer (CSU) ein strikter Gegner einer solchen Abgabe. Die freiwillige Selbstkontrolle der Hersteller soll’s richten. Warum jetzt etwas funktionieren sollte, was bisher nicht funktioniert hat, bleibt unbeantwortet. Dass Rainer die Position der Lebensmittelindustrie 1:1 übernimmt, hängt vermutlich schlicht damit zusammen, dass er auch Landwirtschaftsminister ist. Der Einfluss der entsprechenden Lobby (Zuckerrübenbauern) ist bekannt. Daher darf bezweifelt werden, dass der Antrag des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) und seines Landesverbands für eine Zuckersteuer auf dem CDU-Bundesparteitag am kommenden Wochenende (nach Redaktionsschluss) eine Mehrheit finden wird – zumal die Antragskommission bereits die Empfehlung gegeben hat, ihn abzulehnen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, wissen Sie und ich mehr. Hoffnung, dass die Vernunft siegt, habe ich indes wenig. Dass Mundgesundheit und Ernährung eng zusammenhängen, ist inzwischen landläufig bekannt. Aber dass sich Zahnmedizinstudierende intensiv und auch ganz praxisnah mit diesem Thema beschäftigen, ist ziemlich neu. In unserer Titelgeschichte stellen wir die Lehrveranstaltung „Culinary Dentistry“ an der Poliklinik für Zahnerhaltung am Universitätsklinikum Dresden näher vor. Dabei geht es aber nicht nur um die schnöde Theorie einer zahngesunden Ernährung und den Verbindungen zu oralen Erkrankungen. Vielmehr setzen die Studierenden in Dresden das Gelernte in einem Kochkurs direkt praktisch um. Lassen Sie sich überraschen. Foto: Lopata/axentis
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