34 | TITEL ERNÄHRUNG UND ZAHNMEDIZIN Vom Hörsaal in die Küche – Culinary Dentistry Frederic Preuß, Jasmin Flemming, Christian Hannig, Johan Wölber Mit der Lehrveranstaltung „Culinary Dentistry“ an der Poliklinik für Zahnerhaltung am Universitätsklinikum Dresden rücken Zahnmedizin und Ernährung erstmals in einem praxisnahen Format zusammen. Im Zentrum steht Prävention: Wie wirkt sich Ernährung auf die Mundgesundheit aus – und wie lässt sich dieses Wissen alltagstauglich umsetzen? Nach einer theoretischen Einführung zu zahngesunder Ernährung und ihren Bezügen zu oralen Erkrankungen setzen die Studierenden das Gelernte in einem Kochkurs direkt praktisch um. Die Lehrveranstaltung „Culinary Dentistry“ erweitert das Konzept der „Culinary Medicine“ um den Fokus auf mundgesunde Ernährung und deren Bedeutung für die Allgemeingesundheit. Im Mittelpunkt steht der sogenannte „gemeinsame Risikofaktorenansatz“: Viele weit verbreitete, häufig chronische Erkrankungen – darunter Diabetes mellitus Typ 2, kardiovaskuläre Erkrankungen, Dyslipidämien sowie Karies und Parodontitis – teilen dieselben beeinflussbaren Risikofaktoren, allen voran eine unausgewogene Ernährung [Sheiham und Watt, 2000]. Gezielte Ernährungsinterventionen können den Verlauf dieser Erkrankungen nachweislich positiv beeinflussen und in vielen Fällen deren Entstehung präventiv verhindern [Murray et al., 2020]. Zahnärztinnen und Zahnärzte, die regelmäßig als erste medizinische Ansprechpersonen konsultiert werden, haben daher ein großes Potenzial in der primären Gesundheitsprävention. Dies wiegt umso schwerer, als Ernährungsfaktoren den bedeutendsten Risikofaktor für die weltweit häufigsten Todesursachen darstellen – nicht-übertragbare Erkrankungen [Mokdad et al., 2018]. Mehr Prävention durch eine bessere Ernährungsberatung Im Rahmen der alltäglichen zahnärztlichen Präventionsberatung liegt der Schwerpunkt bislang häufig auf vermeintlich schnell effizienten Maßnahmen wie einer optimierten Biofilmkontrolle und einer intensivierten Fluoridapplikation. Ernährungsempfehlungen beschränken sich in der Praxis vielfach auf allgemeine Hinweise zur Reduktion des Zuckerkonsums sowie den Verweis auf eine ausgewogene Ernährung [Franki et al., 2014]. Derartige pauschale Aussagen gelten jedoch mittlerweile zunehmend als nicht mehr zeitgemäß und reichen für eine wirksame Prävention nicht aus. Denn obwohl 91 Prozent der Bevölkerung angeben, dass ihnen eine gesunde Ernährung wichtig sei [BMELErnährungsreport 2024: Deutschland wie es isst], liegt der durchschnittliche tägliche Zuckerkonsum weiterhin bei Ready to cook: Die Zahnmedizinstudierenden am Universitätsklinikum Dresden holen sich die letzten Instruktionen ab, bevor es an den Herd geht. zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (316)
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