Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

40 | TITEL zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (322) In der Mitte thront die Kücheninsel, daneben finden sich Spülbecken und Arbeitsflächen. Man verteilt sich rund um den Herd, an dem Böhl mit der Einweisung beginnt. Die Disziplin und das Arbeiten nach festen Abläufen kennen alle aus der Zahnmedizin – aber die Kantinenküche ist Neuland. Die Gesichter verraten: Wir machen das hier zum ersten Mal. Hands-on außerhalb der Mundhöhle Aufgaben werden verteilt: Kartoffeln waschen, Kohl und Gemüse schneiden, Salat zupfen, Dressing ansetzen. In kleinen Teams finden sich die Studierenden an den Stationen zusammen. Anfangs zögerlich – dann immer beherzter. Auch die Lehrenden machen mit und verteilen sich im Raum. Und still ist es: Neben jemandem eine Zwiebel zu schälen, der einen sonst prüft, ist ungewohnt. Man sieht es an den Blicken, am vorsichtigen Abtasten der Rollen. Aber hier in ihren Koch-Kasacks sind alle gleich. Dann beginnen die Gespräche erneut – Studierende und Lehrende Schulter an Schulter. Gleichzeitig fällt etwas anderes auf: die Sorgfalt. Nichts wirkt nebenbei, jeder Handgriff ist konzentriert. Man merkt den Neuköchen die Disziplin und Präzision ihres Studiums an. Mit der Zeit wird die Stimmung fröhlich und geschäftig. Immer wieder unterbrechen alle ihre Arbeit, um den Ausführungen des Küchenchefs zu lauschen, der gerade ein Salatdressing auf Dattelbasis herstellt. Zucker? Überflüssig. Ohne abzuschmecken, wirft Böhl die Zutaten in die Schüssel, püriert, würzt nach, püriert, würzt nach. War das nicht ein bisschen viel Meersalz? Danach erklärt er, wie der Fisch zubereitet wird. Aus den Backöfen weht uns das Aroma von Rosmarin in die Nase. Nach rund eineinhalb Stunden Schnippeln, Pürieren und Brutzeln sind wir fertig! Wir räumen unsere Arbeitsplätze auf und stellen die Vorspeise zusammen. Am Ende hat jeder einen sehr bunten Teller vor sich stehen, getoppt mit dem Datteldressing. Der Salat hat eine natürliche, angenehme Süße – absolut gar nicht versalzen. Die Linsen darin sind bissfest (so habe ich sie noch nie gegessen) und alles schmeckt wahnsinnig frisch und knackig. Die Lehrenden sprechen aus, was alle spüren: Kurz vorm Staatsexamen liegt eine Grundanspannung in der Luft. Und genau deshalb ist dieser Abend mehr als nur eine Lehrveranstaltung – weil er den Druck für einen Moment löst, weil er Gemeinschaft schafft, ohne zu bewerten. Genau hier zeigt sich: Kochen bringt Menschen zusammen, es gibt kein Oben und Unten. Das Hauptgericht serviert der Küchenchef persönlich: Rosmarinkartoffeln, Chinakohl, verschiedenes Gemüse mit Sesam und pochiertes Seelachsfilet. Bei vielen landet ein Nachschlag auf dem Teller. Zum Abschluss gibt es ein (natürlich) zahngesundes Dessert aus Naturjoghurt mit Beeren und gerösteten Mandeln. Am Ende steht die überraschend einfache Erkenntnis: Mundgesundes Essen muss nicht nach Verzicht schmecken. Es kann richtig gut sein. nl Der bunte Salat wurde mit verschiedenen Linsen und einem angenehm süßen Datteldressing getoppt. Neben der Anwendung theoretischen Wissens standen beim Kochabend vor allem Spaß und Gemeinschaft im Vordergrund – gerade im Examensstress ein wichtiger Ausgleich. Fotos: Jasmin Flemming

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