Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

46 | PRAXIS PRAXISVORBEREITUNG AUF DEN KRISENFALL Ruhe bewahren und den Notfallplan aktivieren Der Stromausfall nach dem Brandanschlag in Berlin Anfang Januar hat beispielhaft gezeigt, wie unvorhersehbar und plötzlich Zahnarztpraxen tagelang lahmgelegt werden können. Inhaberinnen, Inhaber und ihre Teams sollten sich daher gegen mögliche Krisensituationen wappnen. Eine gute Vorbereitung hilft, das Unvorhersehbare (in Maßen) kontrollierbar zu machen, Ängste abzubauen und im Ernstfall zügig und korrekt zu handeln. Eine Analyse zu möglichen Gefahren und Risiken ist dafür der erste Schritt. Daraus folgen möglichst konkrete Notfallpläne für die verschiedenen Szenarien – mit klaren Handlungsanweisungen und Zuständigkeiten sowie der Auflistung wichtiger Ansprechpartner, wie zum Beispiel IT-Experten, Betreuern bei Versicherungen oder Medizintechnikern. Zur Vorbereitung gehören selbstverständlich der Erste-Hilfe-Kurs sowie regelmäßige Brandschutz-Trainings. Spezielle TeamKurse zum Krisenmanagement gibt es inzwischen auch für Praxen (siehe Interview auf Seite 50). Tritt eine Notlage ein, so gilt immer: möglichst Ruhe bewahren, sich selbst nicht in Gefahr bringen beziehungsweise sich zügig aus der Gefahrenzone entfernen und die offiziellen Informationen im Blick haben. Wenn Mobilfunkmasten in der Umgebung betroffen sind, wird dazu das Auto- oder ein batteriebetriebenes Radio eingeschaltet. Wenn kein Saft mehr kommt Bei einem Stromausfall sollten Sie umgehend alle Stromintensiven oder empfindlichen Elektrogeräte ausschalten oder besser noch vom Stromnetz trennen, um Schäden durch Spannungsspitzen bei der Rückkehr des Stroms zu vermeiden. In der Zahnarztpraxis betrifft das die Behandlungseinheiten, Röntgen- und Aufbereitungsgeräte sowie die Computer beziehungsweise die IT-Infrastruktur. Es kann auch sinnvoll sein, die Sicherungsautomaten auszuschalten, um die Geräte zu schützen. Besonders bei längeren Ausfällen oder nach Unwettern ist diese Vorsichtsmaßnahme empfehlenswert. Ist der Strom zurück, schalten Sie die Geräte nacheinander wieder ein, um das Netz nicht zu überlasten. Ohne Elektrizität sind zahnärztliche Behandlungen nahezu unmöglich. Der Bohrer steht still, die Wasserspülung, die Sterilisation und auch die Kühlung sind unterbrochen. Jetzt gilt es – je nach Erreichbarkeit und Möglichkeit – Termine zu verlegen und vor allem Schmerz- und Notfallpatienten in die nächste Einrichtung weiterzuleiten. Eine Möglichkeit sind Kliniken, denn deren Notversorgung wird durch Netzersatzanlagen beziehungsweise die Allgemeine Ersatzstromversorgung sichergestellt. Über die KZV oder die jeweilige Landeszahnärztekammer findet man den tagesaktuellen Notdienst. Fällt der Strom aus, versiegt auch bald das Wasser. Fallen die elektrisch betriebenen Pumpen in den Wasserwerken aus, fehlt der Druck, dann tropft es nur noch aus den Hähnen. Nach der Wiederaufnahme ist es daher wegen der Hygiene wichtig, die Leitungen insbesondere in den Einheiten, gründlich zu spülen und zu reinigen. Auch in den Waschräumen muss einmal kräftig nachgespült werden. Zudem reduziert die mangelnde Kühlung die Haltbarkeit oder Verwendbarkeit von Arzneimitteln und Hygieneprodukten. Hier müssen Sie prüfen, was verfällt oder kurzzeitig umgelagert werden muss. Mit regelmäßigen Back-ups schützen Sie sich vor dem Verlust Ihrer digitalen Patientendaten durch einen Stromausfall (Kurzschluss oder Netzausfall). IT-Experten raten dazu, kontinuierlich eine umfassende Datensicherung zu erstellen. Wer nicht Cloud-basiert sichert, sollte stets die Daten von den Praxis-Servern sichern. Die gespiegelten Daten sind dann im Krisenfall nicht gefährdet. Zudem sollten verbindliche Absprachen mit einem qualifizierten IT-Dienstleister bestehen, der im Notfall sofort Unterstützung leisten kann. Darüber hinaus ist es ratsam, alternative Arbeitsmethoden, wie die manuelle Dokumentation von Patientendaten, für den Fall eines Systemausfalls routinemäßig zu üben. zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (328)

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