Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

STROMAUSFALL IN EINER BERLINER PRAXIS „EINE ECHTE BEWÄHRUNGSPROBE FÜR DAS GESAMTE TEAM“ Vom tagelangen Stromausfall im Januar war auch die Zehlendorfer Gemeinschaftspraxis von Dr. Robert Heym und Dr. Vincent Mitzscherling betroffen. Die Praxisführung schildert ihren Umgang mit dem kompletten Breakdown: Kein Licht, kein Telefon, die Computer fuhren nicht mehr hoch und die Patientendaten blieben unerreichbar – auf einmal stand die Praxis still. Die erste Sorge galt den Patienten. „Weil auch die Telefonmasten vom Ausfall betroffen waren, hatten sowohl wir als auch sie keinen oder einen nur sehr eingeschränkten Empfang“, erzählt Heym. Einige konnten sie über Umwege noch rechtzeitig erreichen. Für diejenigen, die in die Praxis kamen, organisierte das Team schnell ein Catering und Kaffee in großen Thermoskannen. Über Tage konstant im Stand-by-Modus Die nächste Sorge betraf die Datensicherung. Zügig wurde ein externer IT-Spezialist mit der Erstellung von Back-ups beauftragt. Weiter mussten zu kühlende Medikamente umsortiert und Materialien mit Verfallswert gesichtet werden. Und für die Nächte wurde eine Sicherheitsfirma zur Überwachung der Räumlichkeiten engagiert. „Erst zum Ende von Tag eins ohne Elektrizität wurde uns plötzlich klar, dass die ausgefallene Alarmanlage eine riesige Sicherheitslücke darstellt. Wir hatten Angst, dass vielleicht eingebrochen, randaliert oder geplündert wird“, erzählt der Chef rückblickend. Insgesamt habe das Team die Ausnahmesituation sehr gut gemeistert, resümiert Heym anerkennend. Jeder habe geschaut, was er tun kann. „Alle haben sich engagiert.“ Und das habe sie zusammengeschweißt. Nicht zu vergessen, dass ja auch zu Hause kein Strom floss und es kälter und kälter wurde. Das fast 80-köpfige Team der großen Gemeinschaftspraxis, das im Zwei-Schichten-System organisiert ist, war tagelang ohne Arbeitsmöglichkeit, aber konstant im Stand-by-Modus. Die zehn Behandlungsstühle blieben leer – ein enormer Umsatzausfall entstand. „Hinterher waren intensive Hygienemaßnahmen wie das vorsichtige Spülen der Wasserstränge oder das Checken von Medikamenten und Materialien nötig. Leuchtmittel mussten ersetzt werden. Die Daten-Back-ups laufen“, beschreibt Heym den Rattenschwanz an Aufgaben im Nachgang. Die Betriebsausfallversicherung kam für den Schaden im hohen fünfstelligen Bereich nicht auf. Bei einem terroristischen Anschlag auf das öffentliche Stromnetz greifen die Versicherungen nicht. 48 | PRAXIS Kabel ziehen, WLAN deaktivieren und Bluetooth ausschalten, um eine Ausbreitung der Schadsoftware zu verhindern. Kontaktieren Sie umgehend einen IT-Experten, der sich um die Analyse kümmert und versucht, die Sicherheitslücke zu schließen. Ist die Praxis gegen Cyber-Attacken versichert, ist beiderjeweiligenVersicherungeinExperteerreichbar.Siesollten Zeitpunkte, Fehlermeldungen und Forderungen (wie bei Ransomware) protokollieren, rät der Versicherungsexperte Marco Kaufmann von der Deutschen Ärzteversicherung. Ein IT-Profi setzt das System neu auf, spielt Back-ups wieder ein und ändert die Passwörter. Stellt sich heraus, dass Patientendaten von dem Angriff betroffen sind, müssen die Betroffenen informiert werden. Solange der Betrieb unterbrochen ist, wird analog auf Papier weitergearbeitet. Tatsächlich muss jeder Vorfall mit Datenpanne innerhalb von 72 Stunden bei der Landesdatenschutzbehörde gemeldet werden. Das verlangt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Außerdem muss bei der Polizei Anzeige erstattet werden, damit der Angriff strafrechtlich verfolgen werden kann. Das ist auch wichtig für die Versicherungen. Des Weiteren sollte die KZV informiert und abschließend das BSI kontaktiert werden. Achtung bei Löschprodukten Im Brandfall ist die oberste Regel: Löschen Sie nur, wenn Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen. Verlassen Sie umgehend den Raum und schließen Sie nach Möglichkeit Fenster und Türen, um dem Feuer Sauerstoff zu entziehen und die Verbreitung des Rauchs einzudämmen. Warnen Sie dann alle in der Praxis und im Haus befindlichen Personen und rufen Sie die Feuerwehr. Kleinere Brände können mit dem Feuerlöscher oder Löschsprays gelöscht werden. Aber Achtung: Das in den Löschern enthaltene Pulver kann als Feinstaub in die Praxisgeräte dringen und sie schädigen. Machen Sie sich und Ihr Team mit den Fluchtwegen und Feuerlöschern vertraut und bringen Sie in Erfahrung, welche Stoffe nicht mit Wasser gelöscht werden dürfen. Rauchmelder sind Pflicht. Die Brandschutzschulung gehört zum Qualitätsmanagement jeder Praxis und muss alle zwei Jahre vom Brandschutzbeauftragten des Teams wiederholt werden. Stromschlaggefahr durch Überschwemmung Bei der Überflutung der Praxisräume etwa aufgrund eines Hochwassers oder Wasserrohrbruchs ist absolute Vorsicht geboten, da von den elektronischen Geräten eine Stromzm116 Nr. 05, 01.03.2026, (330) Foto: stgrafix - adobe.stock.com Der Brandanschlag im Südwesten Berlins hatte am 3. Januar 45.000 Haushalte und 2.200 Firmen von der Stromversorgung abgeschnitten.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=