50 | PRAXIS zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (332) INTERVIEW MIT DR. FABIAN STEHLE ZUM KRISENMANAGEMENT-TRAINING IN DER ZAHNARZTPRAXIS „Die Aha-Effekte sind umso größer, wenn der erste Durchlauf nicht gut ausfällt“ Dr. Fabian Stehle ist Arzt, Ernährungsmediziner, Gesundheitsökonom und Projektmanager. Mit seiner Agentur trainiert er auch Praxis-Teams in Sachen Krisenmanagement. Hier erzählt er, wie man sich auf den Worst Case am besten vorbereitet und was die Exit-Game-Methode damit zu tun hat. Warum ist es sinnvoll, sich als Team für das Krisenmanagement schulen zu lassen? Dr. Fabian Stehle: Krisensituationen betreffen in einer Zahnarztpraxis selten nur einzelne Personen, sondern meistens das gesamte Team und relevante Praxisabläufe. Das erfordert koordinierte Entscheidungen und klare Verantwortlichkeiten. Wird ausschließlich die Praxisleitung geschult, entsteht im Ernstfall häufig Unsicherheit im Team. Gemeinsame Schulungen schaffen dagegen Handlungssicherheit durch klare Anweisungen, Zeitvorteile, klare Kommunikationsstrukturen und abgestimmte Notfallprozesse. Zudem stärkt ein gemeinsames Training das Risikobewusstsein und fördert die Team-Resilienz, wodurch Stresssituationen strukturierter bewältigt werden können. Was sollte unbedingt im Krisenmanagement-Training stattfinden? Ein effektives Krisenmanagement-Training sollte diese organisatorischen und praktischen Inhalte abdecken: 1. die Analyse praxisrelevanter Krisenszenarien, zum Beispiel ein Stromund IT-Ausfall, ein Cyberangriff, ein Brandfall oder ein Wasserschaden 2. die Festlegung klarer Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege mit Notfallplänen und Checklisten 3. die interne und externe Notfallkommunikation mit Patienten, Dienstleistern (IT-Spezialisten, Medizintechniker) und Behörden sowie die Nutzung alternativer Kommunikationswege 4. die Sicherstellung der Patientenversorgung und der Datensicherung: Hier ist es ganz wichtig, praktische Übungen und Simulationen realitätsnaher Szenarien durchzuspielen und diese zu validieren. 5. Abschließend ein Prä-post-Vergleich von Praxisübungen vor und nach der gemeinsamen Optimierung. Hier ist der Escape-Room-Ansatz oder auch die Exit-Game-Methode hilfreich. Damit lernt das Team, Aufgaben gemeinsam in einer realistischen Kulisse zu lösen. Können Sie die Methode kurz erläutern? Nach der Exit-Game-Methode in der Wettbewerbsvariante lösen in größeren Praxen zwei Teams parallel identische Krisenszenarien und treten dabei im direkten Vergleich gegeneinander an, während in kleineren Praxen das gesamte Team gemeinsam versucht, alle Aufgaben innerhalb einer vorgegebenen Zeit erfolgreich zu bewältigen. Wie ist so ein Training strukturiert und welchen Umfang hat es? Die Struktur ist an die gerade aufgezählten Aspekte angelehnt und dauert in der Regel einen Werktag. Die schriftliche Ausarbeitung von Notfallplänen, Check- und Kontaktlisten erfolgt danach. Wir kombinieren das Notfalltraining gerne im Zuge von Kommunikationstrainings, etwa bei der Sprechstundenoptimierung, oder mit anderen Team-Workshops. Sollte sich das Team auf das Training vorbereiten? Nicht unbedingt, nein. Die Aha-Effekte sind umso größer, wenn der erste Durchlauf eines Szenarios im Stresstest nicht Dr. Fabian Stehle ist Mediziner und Geschäftsführer von med2day, einer Seminaragentur für Arzt- und Zahnarztpraxen. Foto: Fabian Stehle
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