Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

54 | ZAHNMEDIZIN land scheint diese jedoch einen eher geringen Stellenwert zu haben, wobei systematische Vergleichsdaten bislang nicht vorliegen. Man unterscheidet drei Formen der Arthroskopie (Level I–III) in Abhängigkeit von der Anzahl der verwendeten Arbeitskanäle. Bei der Level-I-Arthroskopie steht die erweiterte Diagnostik im Vordergrund. Dabei wird das Arthroskop mithilfe eines Trokars im Bereich des höchsten Punkts der Fossa mandibularis in den oberen Gelenkspalt eingebracht. Eine separate Spülkanüle ermöglicht die kontinuierliche Gelenkspülung (Abbildung 1). Die Operation findet in der Regel in ambulanter Vollnarkose statt. Eine Erweiterung auf Level II oder Level III, also die Einführung weiterer Arbeitskanäle, ist während der Operation möglich, sofern dies aufgrund des Befunds indiziert ist. Eine Entzündung im Bereich der Gelenkkapsel (Synovitis) stellt eine häufige Ursache für arthrogen bedingte Beschwerden dar [Mercuri et al., 2025]. Neben der Darstellung des Gelenks und der Behandlung von Pathologien beruht ein positiver Effekt der Arthroskopie auf der Lavage des Gelenks. Dadurch können zum Beispiel proinflammatorische Mediatoren entfernt und intraartikuläre Adhäsionen gelöst werden [Soni, 2019]. Abbildung 2 zeigt die intraoperativen Befunde von zwei Patienten. Es wird jeweils der Übergang zwischen dem hinteren Aufhängungsband und der pars posterior des Discus articularis dargestellt. Für die Kiefergelenksarthroskopie ist eine strukturierte Orientierung innerhalb des oberen Gelenkkompartiments essenziell. Hierfür haben sich die sogenannten „seven points of interest“ nach McCain etabliert (Abbildung 3) [Srouji et al., 2018]. Diese sieben anatomischen Referenzpunkte dienen der systematischen Beurteilung des Gelenks während des arthroskopischen Eingriffs. Zunächst werden das mediale synoviale Band und der PterygoidSchatten („pterygoid-shadow“) als Orientierungspunkte identifiziert. Es folgen die bilaminäre Zone – eine häufige Schmerzquelle – sowie die hintere Schräge der Gelenkeminenz. Die Beurteilung des Discus articularis gibt Auskunft über Verlagerungen und degenerative Prozesse. Es folgt die Beurteilung der intermediären Zone, die besonders anfällig für eine Perforation ist. Abschließend erfolgt die Begutachtung des vorderen Recessus. Dieser stellt den Eintritt der Punktionsstelle des LevelII-Zugangs dar [Srouji et al., 2018]. Die Level-II- (Abbildung 4a) beziehungsweise die Level-III-Arthroskopie beinhalten zusätzlich einen zweiten beziehungsweise einen dritten Zugang über den beispielsweise Verwachsungen entfernt (Abbildung 4b) oder auch Biopsien entnommen werden können. Darüber hinaus ermöglichen diese die Durchführung eines sogenannten „anterior release“ (Abbildung 5). Darunter versteht man das arthroskopische Durchtrennen des vorderen Aufhängungsbandes des Diskus, wodurch deszm116 Nr. 05, 01.03.2026, (336) Fotos: Doll; MKG Charité Abb. 5: Intraartikuläre Darstellung des „anterior release“ im rechten Kiefergelenk: a: Ausgangsbefund des hinteren Aufhängungsbandes (Pfeil) mit entzündlicher Auftreibung und Gefäßinjektionen, b: Übergangsbereich der medialen Gelenkkapsel („pterygoid shadow“) zum vorderen Aufhängungsband mit Verwachsungen (Pfeil), c: Durchtrennung des vorderen Aufhängungsbandes (Pfeil) mittels Coblation d: Ablösen des Discus articularis und Mobilisation nach dorsal, hierdurch Darstellung des M. pterygoideus lateralis rechts (Pfeil), e: Straffung des hinteren Aufhängungsbandes (Pfeil) durch Coblation und Entfernung entzündlicher Veränderungen (vergleiche Abbildung 5a). Der Discus articularis ist auf den Bildern mit Stern markiert. a c d b e

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