56 | ZAHNMEDIZIN Viele Patienten mit arthrogen bedingten Beschwerden profitieren von einer Kiefergelenksarthroskopie. Bis zu 90 Prozent der Fälle weisen nach der Intervention eine bessere Beweglichkeit des Unterkiefers und/oder weniger Schmerzen auf [Bouloux et al., 2024]. Insbesondere die Kombination mit einer intraartikulären Wirkstoffgabe zeigt sich vorteilhaft [Al-Moraissi et al., 2020b]. Von der Arthroskopie abzugrenzen ist die sogenannte Arthrozentese. Es handelt sich dabei um die Spülung des oberen Gelenkspalts über Punktionskanülen. Eine visuelle Beurteilung des Gelenks ist dadurch nicht möglich. Auch dieses Verfahren zeigt eine hohe Wirksamkeit und gilt als vereinfachte Form der Arthroskopie [Nitzan et al., 2022]. Im direkten Vergleich zeigen verschiedene Studien, dass die Arthroskopie bei arthrogen bedingter CMD der Arthrozentese hinsichtlich funktioneller Verbesserung und Schmerzreduktion überlegen ist [Al-Moraissi, 2015; Al-Moraissi et al., 2020b; Tang et al., 2024]. Insgesamt fehlt es jedoch an abschließender Evidenz, um den Vergleich zwischen Arthroskopie, Arthrozentese und konservativer Therapie zu bewerten. Injektionswirkstoffe erhöhen die Effektivität Im Rahmen einer Arthroskopie beziehungsweise Arthrozentese können verschiedene Wirkstoffe ins Gelenk injiziert werden. Dazu zählen Kortikozm116 Nr. 05, 01.03.2026, (338) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. FALLBERICHT Ein Patient stellte sich in unserer Klinik mit einer seit zwei Wochen bestehenden Okklusionsstörung vor. Klinisch zeigte sich bei habituellem Mundschluss eine Protrusionsstellung des Unterkiefers. Darüber hinaus berichtete der Patient über Schmerzen im linken Kiefergelenk, insbesondere bei Mobilisation nach dorsal. Durch die zeitnah durchgeführte MRT-Untersuchung wurde eine synoviale Chondromatose des linken Kiefergelenks diagnostiziert. Die beschriebene Symptomatik wurde am ehesten von einem circa 8 mm großen freien Gelenkkörper im dorsalen Bereich des Gelenks verursacht, der ein Zurückgleiten des Diskus articularis (beziehungsweise des Kondylus) verhinderte (Abbildung 7). Im Rahmen einer Level-II-Arthroskopie (Abbildung 8) in Vollnarkose konnte der Gelenkkörper nach Zerkleinerung durch Coblation über einen Arbeitskanal vollständig entfernt werden. Die histologische Aufarbeitung ergab hyalinen Knorpel mit (sklerosiertem) Bindegewebe. Der Eingriff verlief komplikationslos; postoperativ zeigte sich unmittelbar eine regelrechte Okklusion. Die Schmerzen waren am ersten postoperativen Tag bereits vollständig regredient. Abb. 7: „Funktionelle“ MRT der Kiefergelenke bei synovialer Chondromatose: Protonendichte-gewichtete Sequenzen (PDw) des linken Kiefergelenks in parakoronaler (a) sowie bei geschlossenem (b) und bei offenem (c) Mund in jeweils parasagittaler Orientierung. Dabei stellt sich ein großer, verkalkter freier Gelenkkörper (Pfeil) im distalen oberen Gelenkspalt dar. Abb. 8: Intraartikuläre Darstellung bei synovialer Chondromatose: a: Ausgangsbefund im Bereich des hinteren Aufhängungsbandes mit Sicht auf den distalen Anteil des Diskus (Stern) sowie den anterior gelegenen Anteil des freien Gelenkkörpers (Pfeil), b: Zerkleinerung mittels Coblation (Pfeil) c: Darstellung eines zerkleinerten Chondromatose-Fragments (Pfeil) d: Entfernung des Fragments (Pfeil) mithilfe einer Fasszange über den zweiten Arbeitskanal Fotos: Doll/Neckel; MKG Charité a a c c d b b
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