Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

66 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Synoviale Chondromatose des Kiefergelenks als Ursache arthrogener Beschwerden Diana Heimes, Peer W. Kämmerer Die synoviale Chondromatose ist eine seltene, benigne Gelenkerkrankung, die in nur wenigen Fällen das Kiefergelenk betrifft und daher im zahnärztlichen Alltag häufig übersehen wird. Dieser Beitrag beschreibt den Zufallsbefund einer synovialen Chondromatose des Kiefergelenks und beleuchtet typische klinische, bildgebende und therapeutische Aspekte. Eine 63-jährige Patientin stellte sich mit einem durch den Hauszahnarzt detektierten Zufallsbefund im linken Kiefergelenk vor. Aufgrund von Mundöffnungsstörungen hatte sie einen Monat zuvor dessen Praxis aufgesucht. Auf der in der Praxis angefertigten Panoramaschichtaufnahme (Abbildung 1) erkennt man opake, rundlich-strukturierte Raumforderungen über dem linken Kiefergelenk. Nebenbefundlich berichtete die Frau über eine persistierende Müdigkeit, ein Schwächegefühl und Verspannungen der Nackenmuskulatur. Im Rahmen der weiteren differenzialdiagnostischen Abklärung durch den behandelnden Hausarzt wurde eine Polymyalgia rheumatica (Autoimmunerkrankung mit Vaskulitits) diagnostiziert und mittels Kortikosteroidenbehandelt.InderFolge verschwanden auch die Beschwerden im Bereich des Kiefergelenks. Dennoch erfolgte aufgrund der Persistenz der Gelenkkörper eine Vorstellung an der Universitätsklinik. Klinisch zeigte sich kein Hinweis auf eine Myopathie der Kaumuskulatur. Zudem waren weder eine Mundöffnungsbehinderung noch ein Kiefergelenkgeräusch detektierbar. In Anbetracht der klinischen und der radiologischen Verdachtsdiagnose wurde eineMagnetresonanztomografiedurchgeführt (Abbildung 2), die eine deutliche Flüssigkeitskollektion zirkulär im Bereich des linken Kiefergelenks mit multiplen, a. e. hyalinen Fragmenten sichtbar macht. Bei nunmehr erhärteter radiologischer Verdachtsdiagnose auf das Vorliegen einer synovialen Chondromatose erfolgte, entsprechend dem Patientenwunsch, die offen-chirurgische Resektion der multiplen Gelenkkörper in Intubationsnarkose. Der Zugang wurde klassisch präaurikulär mit einer temporalen Extension zum Schutz des Ramus temporalis des Nervi facialis gewählt (Abbildung 3A). Unmittelbar nach Eröffnung der Kiefergelenkkapsel entleerten sich rasch mehrere kleine, knorpelige Raumforderungen (Abbildung 3B), Abb. 1: Panoramaschichtaufnahme mit multiplen rundlichen Opazitäten im Bereich des linken Kiefergelenks zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (348) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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