Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

ZAHNMEDIZIN | 67 Fotos: Universitätsklinikum Mainz die im Rahmen des Eingriffs vollständig entfernt wurden (Abbildung 3C). Der erweiterte, nun leere obere Gelenkspalt ist in Abbildung 3D dargestellt. Der histopathologische Befundbericht bestätigte die Verdachtsdiagnose der synovialen Chondromatose – es fanden sich im Präparat mehrere Gewebsfragmente mit reifem Knorpelgewebe und Verkalkungen. Die Patientin konnte nach einem zweitägigen stationären Aufenthalt in die ambulante Weiterbetreuung entlassen werden. Die postoperative Kontrolle zeigte einen regelrechten Befund. Um etwaigen Vernarbungen und konsekutiven Bewegungsstörungen vorzubeugen, wurde die Patientin unmittelbar postoperativ instruiert, geführte Bewegungen (Protrusion, Laterotrusion, Mundöffnung – reduziert) selbstständig mehrfach täglich durchzuführen. Zudem wurde eine Physiotherapie verordnet, die unmittelbar nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begann. Diskussion Bei der synovialen Chondromatose des Menschen handelt es sich um eine eher seltene, knorpelige Metaplasie der Synovia mit Gelenkkörpern. In den meisten Fällen betrifft die Erkrankung große Gelenke; nur in circa drei Prozent der Fälle ist das Kiefergelenk betroffen [Song et al., 2022]. In 73 bis 80 Prozent der Fälle erkranken Frauen des mittleren Alters zwischen 43 und 55 Jahren. Beinahe immer sind die Gelenkkörper unilateral anzutreffen [Guarda-Nardini et al., 2010; Lee et al., 2019; Destruhaut et al., 2021; Gonzalez et al., 2023]. Der zentrale pathogenetische Mechanismus wird in einer Metaplasie des subsynovialen mesenchymalen Gewebes gesehen, aus der sich knorpelige Noduli entwickeln. Diese können sich von der Synovia ablösen und als freie Gelenkkörper im Gelenkspalt persistieren. Bislang wurden zwei Formen der Erkrankung beschrieben: „ Die primäre synoviale Chondromatose: Sie entsteht scheinbar ohne Grund oder Prädisposition [Sembronio et al., 2023]. „ Die sekundäre synoviale Chondromatose: Sie wird mit Traumata, einer chronischen Gelenküberlastung, schwergradigen strukturellen arthrogenen Gelenkerkrankungen, degenerativen oder inflammatorischen Gelenkerkrankungen oder Parafunktionen assoziiert [Lahrach et al., 2023; Martins et al., 2025]. Bei der synovialen Chondromatose des Kiefergelenks handelt es sich um eine seltene Fehlregulation des synovialen Überzugs der Gelenkflächen und des Diskus articularis mitsamt des Bandapparats. Umgangssprachlich werden diese auch als „Gelenkmäuse“ bezeichnet und weisen eine Größe von Reiskörnern oder größer auf [Reich und Neff,2022]. Durch die zunehmende Füllung des Gelenkspalts kann es zu Krepitation und Schmerzen in Funktion kommen [Benslama et al., 2019; Lee, Zhu et al., 2019; Song et al., 2022; Gonzalez et al., 2023; Vladimir et al., 2024]. Häufig korreliert die Anzahl der Gelenkkörper zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (349) Abb. 2: Magnetresonanztomografie in verschiedenen Ebenen: A und B: Sagittaler Schnitt mit in der TSE-Aufnahme darstellbarer hyperintenser Flüssigkeitskollektion anterior des linken Kondylus: In diesem hyperintensen Befund (Pfeile) befinden sich hypointense rundliche, teils inhomogen kontrastierte Strukturen. C: Axialer Schnitt mit in der T2-Wichtung stark hyperintenser Flüssigkeitskollektion den gesamten Kondylus umschließend: Hier finden sich, wie in den ersten Schnitten, kleine, kugelige Raumforderungen. D: Coronaler Schnitt in der TSE-Wichtung A C D B CME AUF ZM-ONLINE Synoviale Chondromatose des Kiefergelenks Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.

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