PERSÖNLICHES | 73 zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (355) ABSCHIED VON HANS-GEORG SERGL Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Hans-Georg Sergl, einem der prägenden Wegbereiter der Psychologie und Psychosomatik in der Zahnheilkunde und Mitbegründer des Arbeitskreises Psychologie und Psychosomatik (AKPP). Sergl war Kieferorthopäde – und weit mehr als das. Früh erkannte er, dass die Zahnheilkunde nicht allein im Technischen und Handwerklichen aufgeht, sondern untrennbar mit der Psyche des Menschen verbunden ist. Diese Überzeugung blieb für ihn kein bloßes Postulat: Er unterlegte sie durch ein Zweitstudium der Psychologie, durch seine jahrzehntelange Lehrtätigkeit, seine wissenschaftliche Arbeit und nicht zuletzt durch sein beharrliches Engagement für eine strukturelle Verankerung psychologischer und psychosomatischer Inhalte in der Ausbildung und der Weiterbildung der Zahnmedizin. Mit der Gründung des AKPP im Jahr 1988 – nach intensiver Überzeugungsarbeit in einem damals keineswegs günstigen fachpolitischen Umfeld – setzte Sergl einen Meilenstein. Der Arbeitskreis verstand sich von Beginn an als Ort der Bündelung, des Austauschs und der gemeinsamen fachlichen Weiterentwicklung. In seiner Zeit als erster Vorsitzender prägte Sergl den AKPP entscheidend durch eine Haltung, die auf Integration statt Abgrenzung, auf Zusammenarbeit statt Rivalität setzte. In seiner Festschrift zum 20-jährigen Bestehen des AKPP zeigte sich beispielhaft, was Sergls Denken auszeichnete: analytische Klarheit, intellektuelle Redlichkeit und der Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er beschönigte weder die langsame Durchdringung der Zahnheilkunde mit psychologischem Wissen noch die Widerstände innerhalb des Berufsstands. Zugleich blieb er stets zuversichtlich und ermutigend – überzeugt davon, dass nachhaltige Veränderungen Ausdauer, Geduld und Idealismus erfordern. Besonders am Herzen lag ihm die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Patient. Psychosoziale Kompetenz verstand er nicht als „Luxus“, sondern als Kern professioneller zahnärztlicher Identität. Neben der Psychologie beschäftigte er sich intensiv mit philosophischen und theologischen Fragestellungen, zu denen er sich auch publizistisch äußerte. Diese geistige Weite prägte sein Denken ebenso wie seinen respektvollen Umgang mit Menschen unterschiedlicher fachlicher und weltanschaulicher Herkunft. Wissenschaft verstand er stets eingebettet in Verantwortung, Reflexion und Humanität. Der AKPP verdankt Sergl nicht nur seine Gründung, sondern auch seine inhaltliche Ausrichtung und seinen Geist der Kollegialität. Sein Wirken reicht weit über Amtszeiten, Tagungen und Publikationen hinaus. Es lebt fort in Strukturen, in Überzeugungen – und in den vielen Kolleginnen und Kollegen, die durch ihn ermutigt wurden, den Menschen hinter den Zähnen zu sehen. Wir verlieren mit Prof. Dr. Hans-Georg Sergl einen herausragenden Wissenschaftler, einen Brückenbauer zwischen den Disziplinen und einen unbeirrbaren Anwalt einer humanen Zahnheilkunde. Sein Vermächtnis bleibt Auftrag und Verpflichtung zugleich. Der Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Prof. Dr. Dr. med. dent. Norbert Enkling, MAS, 1. Vorsitzender des AKPP Dr. Florian Heuser, 2. Vorsitzender des AKPP Prof. Dr. Hans-Georg Sergl war Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und Diplom-Psychologe. Er wurde 1936 in München geboren. Er studierte Zahnheilkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Psychologie an der Friedrich-AlexanderUniversität Erlangen-Nürnberg. Nach einer Zwischenstation als Oberarzt an der Georg-AugustUniversität Göttingen wurde er 1974 auf die Professur für Kieferorthopädie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2001 wirkte. Er verstarb am 5. Januar 2026. Foto: Veronika Sergl-Vahlenkamp
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