Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

28 | ZAHNMEDIZIN MKG UND DERMATOLOGIE INTERDISZIPLINÄR Das orale maligne Melanom Erik Würflein, Valentina Bieneck, Saskia Lehr, Christian Gross, Jonas Wüster Ein malignes Melanom kann sich sogar an nicht sonnenexponierten Körperstellen wie den Schleimhäuten entwickeln. Wir beschreiben den Fall einer Patientin mit oralem malignem Melanom im Unterkiefer, das mittels chirurgischer Resektion und adjuvanter Immuntherapie behandelt wurde. Eine 68-jährige Patientin stellte sich auf Überweisung ihres Hauszahnarztes mit einer unklaren, seit etwa drei Jahren bestehenden Melanose in Regio 32–36 in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Freiburg vor. Allgemeinanamnestisch gab die Frau eine arterielle Hypertonie, eine Osteoporose und eine heterozygote Faktor-VLeiden-Mutation an. Eine im Januar 2024 alio loco durchgeführte Probenentnahme ergab eine resorptive Entzündung mit Pigmenteinlagerungen. Die Patientin berichtet, dass die Schleimhautveränderung etwa vier Wochen vor der Vorstellung bei uns begonnen habe zu wuchern. Klinisch zeigte sich eine 10 mm x 7 mm messende, exophytisch wachsende, schwarz pigmentierte Raumforderung (Abbildungen 1 und 2). Durch eine Probenentnahme in domo konnte histopathologisch ein malignes Melanom gesichert werden. Es erfolgten eine Ausbreitungsdiagnostik mittels Ultraschall der zervikalen Lymphknoten, eine Computertomografie (CT) von Hals, Thorax und Abdomen sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels. Radiologisch und sonografisch zeigten sich insbesondere in Level I A/B linksbetont suspekte Lymphknoten (Abbildung 3). Die prätherapeutische Fallvorstellung im interdisziplinären Hauttumorboard ergab die Empfehlung zur primären Resektion und zu einer Halslymphknotenentfernung der Level I–III beidseits. Diese erfolgte im Sinne einer kontinuitätserhaltenden Unterkieferteilresektion (Abbildungen 4 bis 6). Die Rekonstruktion erfolgte durch ein mikrochirurgisch anastomosiertes, fasziokutanes Radialistransplantat vom linken Unterarm. Der Entnahmedefekt wurde mittels Vollhaut vom linken Unterarm gedeckt. Zudem wurde eine beidseitige selektive Halslymphknotenausräumung in Level IA, IB, IIA, IIB und III durchgeführt. Die Patientin konnte in gutem Allgemeinzustand am 15. postoperativen Tag entlassen werden. Die prothetische Versorgung der Freiendsituation im dritten Quadranten wünschte die Patientin durch ihren Hauszahnarzt. Während der Heilungsphase konnte eine Interimsprothese eingegliedert werden, die langfristig durch eine Coverdenture ersetzt werdensoll. Die histopathologische Aufarbeitung des entnommenen Gewebes erbrachte den Nachweis einer vollständigen ReAbb. 1: präoperativer Befund von vestibulär zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (406)

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