ZAHNMEDIZIN | 29 sektion des Primarius in sano und ausreichendem Sicherheitsabstand mit Perineuralscheideninfiltration und Nachweis einer Lymphangiosis carcinomatosa bei einer maximalen Invasionstiefe von 5 mm und drei befallenen Lymphknoten [pT3 pN1 (3/61) L1 V0 Pn1 R0-Situation]. Für die Klassifikation des mukosalen Melanoms wird für den Aero-Digestivtrakt entsprechend der aktuellen deutschen Leitlinie die „American Joint Committee on Cancer“ (AJCC)- Klassifikation von 2009 verwendet. Danach liegt bei der Patientin ein Stadium IVa vor. Die durchgeführte Mutationsanalyse aus dem Primariusgewebe ergab jeweils BRAF-, KIT-, und NRAS-Wildtypsequenzen, so dass eine entsprechende zielgerichtete Therapie nicht zur Verfügung stand Die posttherapeutische Vorstellung im interdisziplinären Tumorboard ergab die Empfehlung zur adjuvanten Immuntherapie mit einem PD-1-Inhibitor. Nach Aufklärung und Einwilligung der Patientin wurde eine adjuvante Immuntherapie mit Pembrolizumab 400 mg alle sechs Wochen eingeleitet. Die Tumornachsorge erfolgt leitliniengerecht durch die Universitäts-Hautklinik Freiburg. Die Nachsorge mukosaler Melanome erfolgt entsprechend dem Tumorstadium analog zum Nachsorgeschema von kutanen Melanomen sowie interdisziplinär durch das Fachgebiet der Primarius-Lokalisation. Nach Absprache erfolgt die Nachsorge nur bei Bedarf durch die Mund-KieferGesichtschirurgie. Im vorliegenden Stadium IVa umfasst die Nachsorge eine dermatologische Ganzkörperuntersuchung im Abstand von drei Monaten während der ersten drei Jahre, ergänzt durch eine ebenfalls vierteljährliche Sonografie der regionären Lymphknoten. Zusätzlich werden Staging-Untersuchungen mittels Schädel-MRT sowie CT von Thorax und Abdomen mit Kontrastmittel in halbjährlichen Intervallen durchgeführt. Bei einem komplikationslosen Verlauf können ab dem vierten oder fünften Jahr die Intervalle für die Ganzkörperuntersuchung und die Lymphknotensonografie auf sechs Monate verlängert werden. Ab dem sechsten bis zum zehnten Jahr nach Erstdiagnose erfolgt die Nachsorge ebenfalls in halbjährlichen Abständen. Auf die Durchführung einer Schnittbildgebung kann bei anhaltender Tumorfreiheit ab dem vierten Jahr verzichtet werden. Eine erneute Bildgebung erfolgt bei klinischem oder sonografischem Verdacht auf ein Rezidiv [DKG, 2020]. Diskussion Das orale maligne Schleimhautmelanom (OMM) ist eine seltene, aggressive Form des Melanoms, die von Melanozyten in der Mundschleimhaut ausgeht. Dieses Malignom macht nur 0,2 bis 8 Prozent aller Melanomfälle und etwa 0,5 Prozent aller oralen Malignome aus, was seine Seltenheit unterstreicht [Gupta et al., 2015]. Zu den häufigsten Lokalisationen für das OMM gehören der harte Gaumen und die Oberkiefergingiva [Gupta et al., 2015]. Das klinische Erscheinungsbild des OMM ist sehr unterschiedlich. Es kann neben der pigmentierten Form auch als amelanotische Läsion auftreten, was die Frühdiagnose erschwert und zu seiner schlechten Prognose beiträgt [Soma et al., 2014; Kim et al., 2020]. Differenzialdiagnostisch muss an Amalgamtätowierungen, ethnienzm116 Nr. 06, 16.03.2026, (407) Abb. 2: präoperativer Befund von lingual Abb. 3: suspekter Lymphknoten im CT Abb. 4: Defekt nach Kastenresektion Fotos: MKG UK Freiburg
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