44 | PRAXIS Diese Kennzahl sollte jedoch niemals isoliert betrachtet werden. Da die meisten Zahnarztpraxen ihren Gewinn nach der Einnahmen-ÜberschussRechnung ermitteln, unterliegt die Gewinnquote zeitlichen Schwankungen, insbesondere durch die quartalsweisen KZV-Restzahlungen. Aussagekräftig ist die Gewinnquote vor allem n im Mehrjahresvergleich und n im Zusammenhang mit der absoluten Gewinnhöhe. Wirtschaftlich entscheidend sind allerdings nicht Prozentsätze, sondern die tatsächlich nachhaltig verfügbaren Eurobeträge. Eine niedrigere Gewinnquote bei höherem absolutem Gewinn kann unternehmerisch sinnvoller sein als eine hohe Quote bei geringerem Einkommen. 4. verbliebene Liquidität Eine der wichtigsten Kennzahlen in der Praxissteuerung ist die verbliebene Liquidität. Sie beantwortet die zentrale Frage: Wie viel Geld hat die Praxis tatsächlich erwirtschaftet – und wofür wurde es verwendet? In der Liquiditätsbetrachtung werden neben dem Gewinn berücksichtigt: n Privatentnahmen n Investitionen n Darlehensaufnahmen n Steuerzahlungen n Abschreibungen Für eine tiefere Analyse empfiehlt sich eine Trennung zwischen operativer und investiver Liquidität. So erfährt man, ob Liquiditätsengpässe aus dem laufenden Praxisbetrieb resultieren oder bewusst durch Investitionen ausgelöst wurden. Gerade bei wachsenden Praxen oder größeren Investitionsphasen ist die Liquiditätsanalyse häufig aussagekräftiger als die reine Gewinnermittlung. 5. sonstige Konten und Auffangpositionen Alle Kennzahlen sind nur so belastbar wie die zugrunde liegende Buchhaltung. Fehlende Belege oder ungeklärte Sachverhalte werden häufig vorübergehend auf sogenannten Auffangoder sonstigen Konten gebucht. Diese Positionen haben einen direkten Einfluss auf den Gewinn und die Liquidität, sind in der klassischen Gewinnund-Verlustrechnung jedoch nicht immer unmittelbar sichtbar. Typische Ursachen sind n fehlende oder verspätete Belege, n eine ungeklärte – privat oder betrieblich – Zuordnung oder n zeitversetzte Umbuchungen zwischen verschiedenen Konten. Für eine verlässliche Steuerung der Praxis ist es daher unerlässlich, diese Konten regelmäßig und zeitnah mit dem Steuerberater abzustimmen. Nur so behalten die übrigen Kennzahlen ihre Aussagekraft. Fazit Die wirtschaftliche Steuerung einer Zahnarztpraxis erfordert keinen Blick auf jede einzelne Zahl der BWA. Wer sich konsequent auf wenige – gut verstandene – Kennzahlen konzentriert und diese nach Bereichen, Zeitverläufen und Praxisstruktur differenziert betrachtet, gewinnt schnell Klarheit über die wirtschaftliche Entwicklung der Praxis. Die Personalkostenquote, die Materialquote, die Gewinnquote, die Liquidität und die Qualität der Buchhaltung bilden gemeinsam ein belastbares Frühwarnsystem. Richtig genutzt ermöglichen sie fundierte unternehmerische Entscheidungen – ohne sich im Zahlendschungel zu verlieren. n Die aktuellen Zahlen aus dem KZBVJahrbuch, das jährlich erscheint und noch viele weitere relevante Informationen enthält, können Sie auf der Homepage der KZBV kostenlos herunterladen. Bernhard Fuchs Kanzlei Fuchs & Stolz, Volkach Steuerberater Zahnärzteberatung Foto: privat Marcel Nehlsen Steuerberater, Diplom-Finanzwirt & Fachberater für das Gesundheitswesen Kanzlei Laufenberg Michels und Partner, Köln Foto: privat Foto: deagreez – stock.adobe.com zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (422)
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=