Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

ZAHNMEDIZIN | 49 mit persistierender Sekretion, Kopfschmerzen und zunehmender Abgeschlagenheit. Wiederholte HNO-ärztliche Behandlungen mit Clindamycin und Kortison führten zu einer nur vorübergehenden Besserung. Die weiterhin bestehende odontogene Ursache blieb unerkannt. Ein im Februar 2024 durch die HNO veranlasstes DVT bestätigte erneut eine einseitige Pansinusitis (Abbildung 3), ohne den dentalen Bezug zu erfassen. Daraufhin wurde eine chirurgische Sanierung der Nasennebenhöhlen geplant, die jedoch aus Kapazitätsgründen des Krankenhauses nicht durchgeführt wurde. Im Januar 2025 kam es schließlich zu einer akuten Verschlechterung mit starken Schmerzen. Der Wendepunkt erfolgte schließlich im Februar 2025 im Rahmen einer Kontrolluntersuchung bei der Hauszahnärztin. Diese nahm die langjährige Beschwerdesymptomatik ernst und veranlasste eine MRT-Untersuchung am Deutschen Zentrum für Dentaldiagnostik (DZD). Die MRT-Bildgebung ergab eine chronische Osteomyelitis im Bereich der Extraktionsregion von Zahn 27 sowie eine ausgeprägte apikale Ostitis an Zahn 26 mit vollständiger Verschattung der linken Kieferhöhle und Ausdehnung der Entzündung ins Siebbein und in die Stirnhöhle. Auch konnte durch den befundenden Radiologen eine interradikuläre Fistelung an Zahn 26 erkannt werden, weshalb die Sinusitis als odontogen eingestuft wurde (Abbildungen 4 bis 7). Therapie Die Patientin stellte sich daraufhin am 27. Februar 2025 initiativ bei uns vor. Nach Sichtung der Unterlagen erfolgten die OP-Aufklärung und die zeitnahe Terminierung der Operation. Am 10. März 2025 folgte dann die chirurgische Sanierung unter stationären Bedingungen. Wir entschieden uns für die Extraktion von Zahn 26, der aufgrund der interradikulären Fistelung nicht erhaltungswürdig war und den Fokus für die chronische Sinusitis und die Beschwerden darstellte. Intraoperativ zeigte sich die interradikuläre Perforation im Sinne eines Fistelgangs zur linken Kieferhöhle (Abb. 8), die bereits präoperativ in der alio loco durchgeführten MRT-Bildgebung erkennbar gewesen war (Abb. 7). Zudem entfernten wir das Empyem und die pathologisch veränderte Schleimhaut sowie das Narbengewebe unter Schonung der noch intakten Schneider’schen Membran. Zur Kieferhöhle wählten wir einen fazialen Zugang mit temporärer zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (427) Fotos: Helena Albrecht Abb. 3: Februar 2024 – DVT-Aufnahme der NNH durch Kollegen der HNO: Es zeigt sich eine linksseitige vollständige Verschattung des Sinus maxillaris, des Sinus ethmoidalis und des Sinus sphenoidalis sowie eine partielle Verschattung des Sinus frontalis. Leider ist der Alveolarkamm nicht mit abgebildet. Abb. 4 bis 7: Februar 2025 – MRT-Aufnahme (T2-TIRM-Ödemsensitive und T1-TSE-Sequenzen), transversale (Abbildungen 4 und 5), coronale (Abbildung 6) und sagittale (Abbildung 7) Ansicht: Der Befund zeigt – in Paraphrase des radiologischen Befunds – eine osteomyelitische Veränderung im Bereich der Regio 27 mit charakteristischer Signalminderung in der nativen T1-Wichtung und ausgedehntem Knochenmarködem, assoziiert mit einer dentogenen Sinusitis maxillaris, ethmoidalis und frontalis links. Auffällig sind zudem die komplett verlegte linke Kieferhöhle mit randständigen Einblutungszeichen sowie signalreduzierte Schleimhautanteile im infraorbitalen anterolateralen Anteil. Es zeigt sich zudem eine interradikuläre Fistel und Ostitis im Bereich des Zahnes 26. Die übrigen Nasennebenhöhlen zeigen regelrechte Verhältnisse. CME AUF ZM-ONLINE Odontogene Sinusitis erkennen und richtig behandeln Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=