50 | ZAHNMEDIZIN Knochenfensterentnahme, da eine direkte Sanierung des odontogenen Fisteltrakts, das Abtragen der narbigen Schleimhautanteile und die simultane Zahnentfernung sowie der Verschluss der daraus resultierenden Mund-Antrum-Verbindung so in einer Sitzung sicher erreichbar waren. Der Knochendeckel wurde mittels Microosteosyntheseplatte repositioniert. Ein transnasaler Ballonkatheter wurde wenige Tage zur Tamponade und Blutstillung belassen, um einen Hämatosinus zu vermeiden. Heilungsverlauf Etwa eine Woche postoperativ entwickelte sich eine eitrige Sekretion im Bereich der Naht auf dem Alveolarkamm regio 26. Die mikrobiologische Untersuchung (siehe Antibiogramm, Abbildung 9) zeigte beim dominierenden Streptococcus intermedius eine Resistenz gegenüber Clindamycin. Da die Patientin eine Penicillinallergie angab, wurde nach eingehender Abwägung eine zehntägige Therapie mit Cefuroxim (Cefurax 500 mg) eingeleitet, die zu einer klinischen Ausheilung und Beschwerdefreiheit führte. Diskussion Odontogene versus rhinogene Sinusitis Dieser Fall demonstriert die Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Differenzierung zwischen odontogener und rhinogener Sinusitis. Trotz dentalem Fokus dominierte die Einschätzung einer primär rhinogenen Ursache für die Sinusitis – nach vermeintlicher Sanierung des odontogenen Fokus. Die recht kleine Fistelung war in den konventionellen Röntgenaufnahmen nicht eindeutig erkennbar, der odontogene Fokus wurde durch die MRT-Aufnahme hervorgehoben. Die Problematik der Differenzierung zwischen odontogenen und rhinogenen Sinusitiden wird in der Literatur häufig beschrieben: Bis zu 40 Prozent der einseitigen Sinusitiden sind odontogen bedingt, werden aber in bis zu 30 Prozent der Fälle initial falsch klassifiziert [Little et al., 2018]. Die charakteristischen Unterschiede zeigen sich klinisch und radiologisch: Odontogene Sinusitiden präsentieren sich typischerweise unilateral, zeigen eine enge räumliche Beziehung zu dentogenen Infektionsherden und sprechen schlecht auf alleinige antibiotische zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (428) Abb. 9: Antibiogramm: Der Abstrich aus der linken Kieferhöhle ergab, dass die ortsständigen Keime resistent gegen Clindamycin sind, was erklärt, warum es im Heilungsverlauf zu einer Wundinfektion kam. Der Befund unterstreicht die Relevanz von Antibiogrammen beim Einsatz von Clindamycin aufgrund der hohen Resistenzlage oraler Pathogene. Abb. 8: Intraoperative Endoskop-Aufnahme in regio 26, die die Fistelung im interradikulären Bereich zur Kieferhöhle zeigt, passend zum MRT-Befund: Da der Zahn der Patientin starke, bereits chronifizierte Schmerzen verursachte und damit auch den Fokus der Sinusitis darstellte und eine suffiziente Sanierung durch WSR prognostisch nicht gewährleistet werden kann, wurde er entfernt. Fotos: Helena Albrecht
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