Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

ZAHNMEDIZIN | 51 Monotherapien an, weshalb eine chirurgische Intervention nötig ist [Workman et al., 2018]. Im Unterschied dazu sind rhinogene Formen oft bilateral und mit vollständiger nasaler Obstruktion assoziiert [Raj et al., 2022]. DiediagnostischeAbklärungodontogener Sinusitiden erfolgt primär klinisch und mittels digitaler Volumentomografie (DVT). Letztere bietet durch ihre hohe Auflösung im dentalen Bereich klare Vorteile zur Beurteilung endodontischer, parodontaler und ossärer Strukturen sowie zur Identifikation möglicher oroantraler Verbindungen. In speziellen Fällen kann ergänzend eine MRT sinnvoll sein – etwa bei unklarer Symptomatik, bei Verdacht auf Weichteilbeteiligung, bei einem chronisch-rezidivierenden Verlauf oder bei unzureichender Abgrenzbarkeit im DVT. Im vorgestellten Fall ermöglichte die MRT den Nachweis des interradikulären Fistelgangs zur Kieferhöhle und damit die korrekte Zuordnung des Entzündungsfokus. Odontogene Infektionen und Resistenzbildung Odontogene Infektionen gehören zu den häufigsten Ursachen für Kopf-HalsInfektionen und werden regelmäßig mit Antibiotika behandelt. Sie weisen typischerweise ein polymikrobielles Erregerprofil auf, bei dem sowohl aerobe als auch anaerobe Bakterien nachweisbar sind. Zu den häufig isolierten Anaerobiern zählen Fusobacterium, Prevotella, Parvimonas und Porphyromonas, während unter den aeroben Erregern vor allem Streptococcus- und Staphylococcus-Spezies dominieren [Meinen et al., 2021]. Interessanterweise werden in einem signifikanten Anteil der Fälle auch Pilze wie Malassezia, Aspergillus und Candida nachgewiesen, die wohl als Begleitbefund einzuordnen sind [Thol et al., 2024]. Aktuelle Studien zeigen hohe Resistenzraten gegenüber den häufig verwendeten Antibiotika: Clindamycin: 17–47 Prozent Resistenz bei Streptococcus, Fusobacterium, Prevotella; Metronidazol: 25,5 Prozent Resistenz bei Anaerobiern; Penicillin: 2,6–15,3 Prozent Resistenz bei Streptococcus, Staphylococcus [Ardila & Bedoya-García, 2022; Bigus et al., 2023; Heim et al., 2020; López-González et al., 2019; Meinen et al., 2021; Țenț et al., 2019; Thol et al., 2024; Vavro et al., 2024]. Die Resistenz gegen Penicillin und Aminopenicilline fällt mit 2 bis 15 Prozent zwar geringer aus, zeigt jedoch in Krankenhaussettings deutlich höhere Werte als in zahnärztlichen Praxen [Ardila & Bedoya-García, 2022; Brescó-Salinas et al., 2006; Meinen et al., 2021; Vavro et al., 2024). Gramnegative Bakterien und Anaerobier wie Prevotella und Bacteroides spp. zeigen zunehmend Resistenzen gegen multiple Antibiotika, darunter Penicillin, Erythromycin zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (429) Dr. med. dent. Helena Albrecht groisman & laube Centrum für Mund-, Kieferund Plastische Gesichtschirurgie, Dental-Centrum Bethanien Im Prüfling 17–19, 60389 Frankfurt am Main Foto: privat Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Groisman, M. Sc. groisman & laube Centrum für Mund-, Kieferund Plastische Gesichtschirurgie Dental-Centrum Bethanien Im Prüfling 17–19, 60389 Frankfurt am Main Foto: privat ERREGER UND RESISTENZRATEN ODONTOGENER INFEKTIONEN Kategorie Datenlage Häufigste Erreger nAerobier: Streptococcus spp. (≈45%), seltener Staphylococcus spp. nAnaerobier: Fusobacterium, Prevotella, Porphyromonas Kombinations Therapie gegen aerobe und anaerobe Erreger (Meinen, Reuss, Willrich, Feig, Noll, Eckmanns, Al-Nawas, et al., 2021) Pilznachweis Candida spp., Malassezia (selten), Aspergillus (selten) Bei immunsupprimierten Patienten erwägen antimykotisch zu behandeln (Thol et al., 2024) Resistenz gegen Clindamycin nStreptococcus: 17–25% nFusobacterium/Prevotella: 30–47% Clindamycin aufgrund der hohen Resistenzrate nicht generell als Alternative bei Penicillin-Allergie geeignet (Ardila & Bedoya-García, 2022) Alternativen bei Penicillinallergie: Cefuroxim(2.Generation), →bei bei dokumentierter nicht IgE vermittelter Penicillinallergie, Makrolide (z. B. Azithromycin) oder Doxycyclin Resistenz gegen Penicillin nPraxis: 2,6–8 % nKlinik: bis 15,3 % Penicillin gilt weiterhin als Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierten Infektionen (Meinen, Reuss, Willrich, Feig, Noll, Eckmanns, Al-Nawas, et al., 2021) Amoxicillin/ Clavulansäure Empfindlichkeit: > 90 % (Anaerobier: 85 %) Goldstandard bei schweren Infektionen (Brescó-Salinas et al., 2006) Tab. 1 Quelle: Albrecht et al.

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