Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

52 | ZAHNMEDIZIN undClindamycin[Ardila&Bedoya-García, 2022]. Amoxicillin/Clavulansäure erweist sich nach wie vor als eines der wirksamsten Antibiotika, da die meisten Isolate eine Empfindlichkeit aufweisen [Brescó Salinas et al., 2006; Brescó-Salinas et al., 2006; López-González et al., 2019]. Laut der S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“ sollte die kalkulierte Antibiose bei schweren Verläufen stets eine Kombination aus β-LactamAntibiotikum (zum Beispiel Amoxicillin/Clavulansäure) und Metronidazol berücksichtigen, um Anaerobier-Resistenzen zu umgehen. Bei Penicillinallergie wird Cefuroxim (2. Generation) als Alternative empfohlen, sofern keine Typ-I-Allergie vorliegt (AWMF, 2023). Es weist eine geringe Kreuzreaktivität von < 3 Prozent bei Penicillinallergikern auf, sofern keine Anaphylaxie auf Penicilline vorliegt. Damit gilt es als sichere Alternative bei Patienten mit Penicillinallergie mit nicht-IgE-vermittelten Reaktionen [Campagna et al., 2012]. Kritische Prüfung dokumentierter Penicillinallergien Die Problematik unkritisch dokumentierter Penicillinallergien stellt im Zusammenhang mit der dargestellten fortschreitenden Resistenzbildung ein zunehmendes Problem in der medizinischen Versorgung dar. Aktuelle Studien zeigen, dass etwa 90 Prozent der Patienten, die als penicillinallergisch gelten, dieses Label zu Unrecht tragen [Al-Nawas et al., 2021; Luintel et al., 2025]. Diese Fehleinschätzung hat weitreichende Konsequenzen für die Therapieplanung und Patientenversorgung. Die Unterscheidung zwischen echten IgE-vermittelten allergischen Reaktionen und anderen Unverträglichkeitsreaktionen erweist sich in der Praxis bei der Anamneseerhebung oft als komplex. Viele dokumentierte „Allergien“ basieren auf unspezifischen Symptomen wie gastrointestinalen Beschwerden oder Hautausschlägen, die nicht zwangsläufig auf eine echte Allergie hindeuten [Banks et al., 2019]. Hier helfen strukturierte Ansätze wie der PENFAST-Score (Tabelle 2), das tatsächliche Allergierisiko besser einzuschätzen. Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat ein klinisches Entscheidungsmodell zur Penicillinallergie entwickelt und validiert, um Patienten mit einem niedrigen Risiko für Penicillinallergien zu identifizieren, die möglicherweise keine spezielle Hauttestung benötigen. Die Untersuchung wurde mit 622 Patienten aus Melbourne (Australien) durchgeführt, die eine Penicillinallergie angaben, und sich einem Allergietest unterzogen. Vier Merkmale, die mit einem positiven Testergebnis in Verbindung standen, wurden identifizm116 Nr. 06, 16.03.2026, (430) EXKURS DIE MRT IN DER DENTALEN DIAGNOSTIK Die Überlegenheit der MRT bei Weichteil- und Entzündungsdarstellung ist in der Zahnmedizin mittlerweile gut belegt. Aktuelle Studien zeigen, dass sich die MRT unter anderem gut zur Beurteilung von Schleimhautverdickungen eignet, was für die Diagnostik von Sinusitiden entscheidend sein kann [Parker et al., 2024]. Im Bereich der odontogenen Infektionen erreicht die MRT eine bemerkenswerte diagnostische Genauigkeit mit einer Sensitivität von 0,95 und einer Spezifität von 0,84 [Heikkinen et al., 2023]. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, Knochenmarködeme strahlungsfrei darzustellen, was die Früherkennung von Osteomyelitiden revolutioniert hat [Lee et al., 2016]. Neue Forschungsarbeiten demonstrieren den besonderen Nutzen der dentalen MRT bei der Differenzierung zwischen Granulomen und periapikalen Zysten. Diese Unterscheidung ist klinisch relevant, da sie einen direkten Einfluss auf die Therapieplanung und Prognoseabschätzung endodontischer Behandlungen hat [Juerchott et al., 2018]. Auch für die Beurteilung parodontaler Gewebe und des Heilungsverlaufs nach Parodontitistherapien hat sich die MRT als wertvolles Instrument erwiesen [Schara et al., 2009]. Zur Verbesserung der Implantatplanung gibt es bereits Ansätze mittels MRT als Alternative zum CT, dabei schnitt dieses ähnlich wie das CT ab, untersucht wurde die Genauigkeit der Vermessung des Kieferknochens [Aguiar et al., 2008]. Um die besonders strahlungssensible Gruppe der Kinder besser zu schützen, gibt es bereits Studien, die zeigen, dass eine kieferorthopädische Behandlungsplanung mithilfe der dentalen MRT möglich ist. Hochauflösende isotrope MRTDatensätze können in laterale Fernröntgenbilder umgewandelt werden und ermöglichen dabei zuverlässige Messungen, die mit den herkömmlichen Messwerten aus klassischen Röntgenaufnahmen eine hohe Übereinstimmung zeigen [Heil et al., 2017]. Die Weiterentwicklung der MRT-Technologie eröffnet ständig neue Anwendungsgebiete. So ermöglichen moderne Hochfeldgeräte mittlerweile die Darstellung feinster anatomischer Strukturen im dentalen Bereich, funktionelle MRT-Untersuchungen geben zunehmend Aufschluss über Durchblutungsverhältnisse und Stoffwechselprozesse im Kieferknochen, im parodontalen Gewebe und in der Pulpa, was für unterschiedlichste Disziplinen der Zahnmedizin wertvoll ist. Damit könnten die nicht-invasiven Verfahren zukünftig die Diagnostik von Pulpitiden und parodontalen Erkrankungen grundlegend verändern. Besonders wichtig ist der strahlungsfreie Charakter der MRT, der wiederholte Untersuchungen ohne Strahlenbelastung ermöglicht. Dies ist nicht nur aus Gründen der Strahlungshygiene bedeutsam, sondern erlaubt auch ein konsequenteres Monitoring von chronischen Erkrankungen und Therapieverläufen. Fazit: Die Kombination aus hervorragender Weichteildarstellung, fehlender Strahlenbelastung und zunehmender Verfügbarkeit macht die dentale MRT zu einem heute bereits unverzichtbaren Werkzeug in der modernen zahnärztlichen Diagnostik.

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