Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

54 | GESELLSCHAFT ABSEITS DER PRAXIS Nach Feierabend macht er Jagd auf Saurierzähne Nach 30 Jahren hat Dr. Manfred Schmid im Jahr 2022 seine Praxis an seinen Sohn übergeben und bohrt nun nur noch einen halben Tag pro Woche. Kurz nach seinem Eintritt in den Ruhestand wurde dem 64-jährigen Zahnarzt eine besondere Ehre zuteil: Er wurde Namensgeber des kleinsten Menschenaffen der Welt: Buronius manfredschmidi. Angefangen hatte alles mit ein paar mitgebrachten fossilen Muscheln eines Schulfreunds. „Da war ich 12 oder 13 Jahre alt“, erinnert sich Schmid. Die Versteinerungen gingen dem Jungen nicht mehr aus dem Kopf. Wie waren diese Muscheln ins Allgäu gelangt, wo es doch überall nur Berge gab? Er kaufte Hammer und Meißel und machte sich mit dem Freund auf den Weg zur Fundstelle. „Da habe ich richtig Feuer gefangen“, erzählt Schmid. Anschließend durchstöberte er die örtliche Bücherei nach Fossilienbüchern und radelte fast täglich durchs Umland auf der Suche nach Petrefakten. Sein Biologielehrer, mit dem er kleine Ausstellungen von Fossilien in der Schule kuratierte, stellte schließlich den Kontakt zu Prof. Udo Scholz vom Naturkundlichen Museum der Region, dem „Zumsteinhaus Kempten“, her. „Der hat mein Talent sofort erkannt“, sagt Schmid. Fortan brachte der Schüler dem Professor regelmäßig versteinerte Blätter, Saurier- oder Haifischzähne und Korallen zur Bestimmung. „Erst bin ich immer mit dem Fahrrad los, aber mit 16 Jahren habe ich meinen Vater schließlich überredet, mir ein Moped zu kaufen.“ Und so vergrößerte sich Schmids Radius augenblicklich auf das komplette Ost- und Oberallgäu. Als Schüler gelingt ihm sein erster großer Fund 1977 machte der Schüler seinen ersten seltenen Fund: Die Bestimmung der Blattreste einer unbekannten Pflanze aus einem unzugänglichen Tobel am Rande der Alpen erfolgte jedoch erst 45 Jahre später als Entdeckung einer Zahnarzt Dr. Manfred Schmid bei Ausgrabungen in der Grube „Hammerschmiede”. Foto: privat zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (432)

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