Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

GESELLSCHAFT | 55 neuen Art. Bei der Pflanze handelt es sich um ein Aronstabgewächs namens Araceophyllum schmidii, das vor etwa 20 Millionen Jahren in der Region beheimatet war. Spektakulär wurde es dann 1980: „Bei einer Routinekontrolle unserer örtlichen Tongrube Hammerschmiede war zu dieser Zeit ein extrem fossilreicher Horizont offenliegend“, berichtet Schmid. Dabei lernte er den Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos kennen. Gemeinsam fanden sie das Teilskelett eines Urzeitelefanten (Tetralophodon), Zähne von Hyänen, den Milchzahn eines seltenen Hundebären, Überreste der „Münchner Waldantilope“ sowie eines prähistorischen Nashorns, Bibers und Hirschferkels. Bestimmt wurden die Funde an der Technischen Universität in München. Mit dem Abitur stellte sich für Schmid die Frage der Berufswahl. Als begeisterter Hobby-Wissenschaftler war er „total hin- und hergerissen“, wie er sagt. Da Geologie und verwandte Disziplinen aber schon damals eine „äußerst unsichere Geschichte“ gewesen seien, habe er sich für Zahnmedizin als „Brotstudium“ entschieden. Nach einem halben Jahr Wartezeit begann er sein Studium in München. Die Zahnmedizin erscheint ihm sicherer als die Geologie Im Anschluss zog es ihn zur Bundeswehr: Er absolvierte seine Grundausbildung und Assistenzzeit als Stabsarzt in der Zahnstation der Murnauer Gebirgsjäger und war anschließend in Füssen stationiert. Er verlängerte seinen Vertrag um fünf Jahre, da ihn zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (433) DER NACH DEM ZAHNARZT BENANNTE MENSCHENAFFE WOG NUR ETWA ZEHN KILO Bei Ausgrabungen in der Tongrube „Hammerschmiede” bei Pforzen im Ostallgäu entdeckte Prof. Madelaine Böhme vom Senckenberg Institut für Menschliche Evolution der Universität Tübingen die Überreste von zwei Menschenaffen – nur dank der Aufzeichnungen des Zahnarztes Manfred Schmid wurde die Wissenschaftlerin auf diesen Fundort überhaupt aufmerksam. Die Erstbeschreibung des sogenannten Danuvius guggenmoosi, eines Primaten mit Merkmalen des aufrechten Ganges, sorgte im Jahr 2019 für eine weltweite Sensation. Bei Buronius manfredschmidi handelt es sich um einen Primaten, der vor 11,6 Millionen Jahren im Allgäu lebte und 2024 von Böhme erstmals beschrieben wurde. Böhme fand die Fossilien von Buronius – zwei Zähne und eine Kniescheibe – ganz in der Nähe der Fundstelle von Danuvius in einem 11,6 Millionen Jahre alten Bachsediment. Die Ablagerungsbedingungen lassen den Schluss zu, dass beide Menschenaffen zur gleichen Zeit dasselbe Ökosystem besiedelten. Die Größe der Fossilien von Buronius zeigt, dass dieser Menschenaffe nur etwa zehn Kilogramm schwer war. Er war damit deutlich kleiner als alle heute lebenden Menschenaffen, die zwischen 30 und 200 Kilogramm schwer werden, sowie kleiner als Danuvius, der 15 bis 46 Kilogramm wog. „Die Schmelzdicke bei Buronius ist so gering wie bei keinem anderen europäischen Menschenaffen und vergleichbar mit der von Gorillas. Der Zahnschmelz von Danuvius ist hingegen dicker als der aller verwandten, ausgestorbenen Arten und erreicht fast die Stärke menschlichen Zahnschmelzes“, erklärt Böhme. Die unterschiedliche Schmelzdicke korrespondiert mit der Form der Kauflächen. Der Schmelz ist bei Buronius glatter und mit stärkeren Scherkanten versehen, während der Schmelz von Danuvius gekerbt ist und über stumpfe Zahnhöcker verfügt. „Dies zeigt, dass Buronius ein Blattfresser war und Danuvius ein Allesfresser.“ Böhme, M. et al., „Buronius manfredschmidi—A new small hominid from the early late Miocene of Hammerschmiede (Bavaria, Germany), PLOS One, Published: June 7, 2024 https://doi.org/10.1371/journal.pone.0301002

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