Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

56 | GESELLSCHAFT zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (434) das sportliche Angebot und die Möglichkeit zu Gebirgstouren begeisterten. Im Herbst 1993 gründete er „Seehoferkonform” seine eigene Praxis, wie er auch drei Jahrzehnte später noch mit schelmischer Freude sagt. Der damalige Bundesgesundheitsminister hatte 1994 die Niederlassungsfreiheit eingeschränkt. Doch nicht mit Schmid. Für seinen vorgezogenen Niederlassungstermin in seiner Heimatstadt Marktoberdorf kämpfte er so lange, bis die Bundeswehr ihn ein paar Monate früher gehen ließ. Parallel dazu wurde das väterliche Wohnhaus umgebaut, sodass aus einer Wohnung eine 80 Quadratmeter große Praxis mit zwei Behandlungszimmern entstand. Die Lage war gut gewählt und schnell stellte sich der wirtschaftliche Erfolg ein. Aufgrund mangelnder baulicher Veränderungsmöglichkeiten blieb die Dimension der Praxis über all die Jahre gleich. Es sei „immer ein überschaubares Geschäft“ gewesen, resümiert Schmid heute, „aber ein guter Erfolg.“ Letztendlich sei er froh, sich als Abiturient nicht für Geologie entschieden zu haben. „Es ist ein Leben lang ein gutes Hobby gewesen.“ Mit viel Bewegung, aber auch ein bisschen einsam. Fossiliensucher seien eher Einzelgänger, erklärt Schmid auf die Frage, warum er erst so spät mit der Universität Tübingen in Kontakt kam. Der Kontakt kam 2018 über einen Geologiestudenten und Freund seines Sohnes zustande, nachdem dieser Schmids heimische Privatsammlung gesehen hatte. Wie der Freund seines Sohnes waren auch der Ausgrabungsleiter der Universität und Prof. Madelaine Böhme vom Senckenberg Institut für Menschliche Evolution der Universität Tübingen vom wissenschaftlichen Wert der Sammlung begeistert. Als Böhme dann, kurze Zeit später in „Schmids Revier“ die Überreste von zwei Menschenaffen entdeckte (siehe Kasten), reifte ein Gedanke in der Wissenschaftlerin. Den Veröffentlichungstermin ihres Fundes hielt sie vor Schmid geheim. Erst bei einem Abendessen am Vorabend der Presseveranstaltung informierte sie ihn darüber, dass er Namensgeber für Buronius manfredschmidi werden sollte. Der Name „Buronius” leitet sich vom mittelalterlichen Namen der Stadt Kaufbeuren, „Buron”, ab. Der Hobby-Wissenschaftler gerät ins Rampenlicht „So gelangte ich, der vorher immer eher zurückgezogen und ruhig gelebt hatte, von einem Tag auf den anderen ins Licht der Öffentlichkeit“, erklärt Schmid. „Die Anwesenheit von Pressevertretern im Stadtsaal Kaufbeuren war enorm. Ich war sehr aufgeregt, und in den Wochen danach wurde weltweit über die Entdeckung berichtet.“ Es habe eine Weile gedauert, bis er richtig fassen konnte, was passiert war. „Derartige Ehrungen mit Namensgebung erfolgen zumeist erst posthum“, sagt er und fügt hinzu: „Aber ich kann mich schon zu Lebzeiten darüber freuen!“ mg Dr. Manfred Schmid und sein Sohn Dr. Andreas Schmid Foto: privat Zwei nach Dr. Manfred Schmid benannte Fossilien: Araceophyllum schmidii (Blatt, r.) und Zahnkrone M2 von Buronius manfredschmidi (Modell,10-fache Vergrößerung). Foto: privat

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