ZAHNMEDIZIN | 63 makologisch bedingte unerwünschte Arzneimittelwirkungen („Typ A“) und unerwünschte Arzneimittelwirkungen aufgrund von Hypersensitivität („Typ B“) unterteilt [Doña et al., 2014]. Ein bekanntes Typ-A-Beispiel sind Arzneimittel-induzierte Leberschäden, die zum Beispiel als Folge einer Paracetamol-Überdosierung auftreten [Athbhaiya et al., 2026]. Typ-B-Reaktionen werden ab Überschreitung einer geringen Schwellendosis in der Regel dosisunabhängig wahrgenommen [Böhm et al., 2018]. Die klassischen allergischen Hypersensitivitätsreaktionen werden in vier Typen unterteilt, wobei Typ I (Sofortreaktion mit Auftreten < 1 h nach Exposition) (Abbildung 1) und Typ IV (Spätreaktion mit Auftreten > 1 h nach Exposition) die am häufigsten auftretenden Formen sind [Coombs und Gell, 1968]. Die Typ-I-Reaktion wird über Immunglobulin E (IgE)-Antikörper vermittelt, die bei Allergenexposition Mastzellen und basophile Granulozyten zur Sekretion von Entzündungsmediatoren (zum Beispiel Histamin, Prostaglandine et cetera) anregen (Abbildung 1). Dies geschieht meist innerhalb weniger Minuten. Die Ausprägungsformen dieser Erkrankung sind urtikarielle Exantheme, Angioödeme, allergisches Asthma bronchiale, allergische Rhinokonjunktivitis und Anaphylaxie. Voraussetzung für eine Typ-I-Allergie ist ein vorher erfolgter Erstkontakt mit dem Allergen, der in der Regel symptomlos verläuft und als Sensibilisierung bezeichnet wird. Die Typ-IV-Reaktion ist eine Form der Allergie, die zellulär durch sensibilisierte T-Lymphozyten vermittelt wird. Sie ist unabhängig von einer Antikörperbildung. Je nach den beteiligten Subgruppen von T-Zellen existieren verschiedene Untertypen. Häufige Varianten sind die Arzneimittel-induzierte Agranulozytose, Hautreaktionen sowie Arzneimittel-induzierte Leberoder Nierenschädigungen [Böhm et al., 2018]. Obwohl lange bekannt ist, dass Articain nur sehr selten eine allergische Reaktion auslöst [Gall et al., 1996], fehlten bislang Daten, die die Häufigkeit einer solchen Allergie belegen. In einem aktuellen Review wurden in den vergangenen 25 Jahren 16 Fallberichte und -serien mit insgesamt 1.333 Teilnehmern gefunden, in denen ArticainAllergien erwähnt wurden [Halling et al., 2025]. Nur bei 29 Patienten konnte mittels klassischer allergologischer Diagnostik (Hauttestungen und/oder Provokationstest) tatsächlich eine echte Articain-Allergie nachgewiesen werden (Tabelle 1). Die Mehrzahl der betroffenen Patienten zeigte eine Typ-IAllergie im Sinne einer Sofortreaktion. Nur in drei Fällen konnte eine Kreuzreaktivität mit anderen Lokalanästhetika vom Amid-Typ nachgewiesen werden. Nichtallergische Hypersensitivitätsreaktionen Etwa 77 Prozent aller Hypersensitivitätsreaktionen sind nichtallergischer Natur (auch als Pseudoallergien bezeichnet) [Demoly et al., 1999] (Abbildung 2). Sie werden durch zahlreiche Substanzklassen wie Penicilline und nichtsteroidale Antirheumatika hervorgerufen, aber auch durch Konservierungsstoffe wie Sulfite und zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (441) Abb. 2 Foto: Schorschski, Wikipedia/mod. Frank Halling ÜBERSICHT DER FALLBERICHTE UND -SERIEN MIT DEM NACHWEIS EINER ECHTEN ARTICAIN-ALLERGIE Berichte und Fallserien (gesamt) Fallberichte Fallserien Teilnehmer 16 10 6 1333 Allergie Articain Männer Frauen n. b. 29 Pat. 7 11 11 Allergietypen Typ I Typ IV n. b. — 20 5 4 n. b. = nicht bekannt Tab. 1: Quelle: [Halling et al., 2025] Entzündungsmediatoren (überwiegend Histamin) IgEAntikörper Mastzelle Pseudoallergen Nichtallergische Hypersensitivitätsreaktion (Pseudoallergie)
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