GESELLSCHAFT | 65 zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (443) HAMMER FORUM IN PALÄSTINA Wenn die Kindergesundheit zum Opfer der Krise wird Nasim Ayad, Walid Ayad Die Auswirkungen jahrzehntelanger politischer und militärischer Instabilität in Palästina spiegeln sich besonders auch in der Zahngesundheit wider. Die Einsatz-Teams des spendenfinanzierten Vereins „Hammer Forum – Medical Aid for Children e. V.“ versuchen mit begrenzten Mitteln den Patientinnen und Patienten vor Ort zu helfen und auch eine Nachsorge zu ermöglichen. In politisch und wirtschaftlich instabilen Regionen wie Palästina bleiben häufig selbst grundsätzlich behandelbare Erkrankungen unversorgt und führen – insbesondere bei Kindern – zu dauerhaften funktionellen und sozialen Einschränkungen. Die Motivation, dagegen etwas zu tun, steht im Zentrum der Arbeit des Hammer Forums, das seit vielen Jahren interdisziplinäre medizinische Teams in Krisenregionen entsendet – unabhängig von politischen Interessen und mit dem klaren Fokus auf der Versorgung von Kindern. Der jüngste Einsatz führte im Januar 2026 nach Nablus in der Westbank (Palästina). Das Team arbeitete im Rafidia Surgical Hospital in enger Kooperation mit der Partnerorganisation Palestine Children Relief Fund (PCRF). Das aktuelle Team bildeten drei Intensivpflegekräfte, zwei Fachärzte für Anästhesiologie, ein Facharzt für Orthopädie, ein Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie ein angehender Oralchirurg. Alle Teilnehmenden werden im Vorfeld umfassend über die politische und die medizinische Lage informiert, sodass sie sich gezielt auf die Bedingungen vor Ort einstellen und gegebenenfalls benötigtes Material ergänzend mitführen können. Einem Kollegen wurde die Einreise verweigert Trotz sorgfältiger Vorbereitung lassen sich Einsätze in solch instabilen Regionen nicht vollständig planen: Die Sicherheitslage kann sich kurzfristig verändern, Einreisebestimmungen werden verschärft oder ohne transparente Kommunikation angepasst. So war wenige Wochen zuvor ein geplanter Einsatz nach Somaliland in letzter Minute am Frankfurter Flughafen gescheitert. Auch der Einsatz in Palästina musste kurzfristig angepasst werden: Dem mitreisenden Kinderorthopäden wurde am Flughafen Ben Gurion ohne nachvollziehbare Begründung die Einreise verweigert. Diese Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Unvorhersehbarkeit humanitärer Einsätze – verschärfte Visabestimmungen und eine restriktivere Behördenpraxis erschweren die Einreise medizinischer Teams erheblich. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft ab, Behandlungen von Kindern aus Krisengebieten in Deutschland finanziell zu unterstützen. Dadurch ist es dem Hammer Forum zunehmend weniger möglich, schwer erkrankte Kinder zur Therapie nach Deutschland zu bringen – insbesondere bei komplexen Krankheitsbildern wie Osteomyelitiden, angeborenen Herzfehlern oder schweren Fehlbildungen. Demzufolge verlagert sich der Schwerpunkt der Arbeit zunehmend auf die unmittelbare Versorgung vorOrt. Zahnmedizinische Strukturen lassen kaum Prävention zu Palästina ist hierfür ein eindrückliches Beispiel: Die Auswirkungen jahrzehntelanger politischer und militärischer Instabilität spiegeln sich auch im Gesundheitssystem wider, besonders Fiberoptische Intubation gemeinsam mit dem einheimischen Team bei Kiefersperre Foto: Nasim Ayad
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