Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

ZAHNMEDIZIN | 69 ten, dass SVP-PLA-Patches potenziell tumorhemmend wirken können, ohne die normale Knochenbildung zu beeinträchtigen – und möglicherweise eine klinisch relevante Option für ossäre Karzinome in der Zahnmedizin darstellen. Ein weiterer Vorteil für die klinische Anwendung einer Membran wäre ihre Resistenz gegenüber einer bakteriellen Besiedlung. Die getesteten AlgenPLA-Komposite zeigten durchweg eine hohe Zytokompatibilität, wobei die bakterielle Kolonisation insbesondere bei Sargassum-vulgare-PLA deutlich reduziert war, gefolgt von Galaxauraoblongata-PLA und Cystoseria-compressa-PLA. SEM-Analysen deuten auf glattere Oberflächen im Vergleich zu kollagenbasierten Membranen hin, was möglicherweise eine Infektionsreduktion sowie die Gewebe- und Knochenregeneration unterstützen kann [Weitkamp et al., 2024]. Schließlich wurde das Potenzial der Oberflächenfunktionalisierung untersucht. In enger Zusammenarbeit mit der Technischen Fakultät Kiel (Chair for Multicomponent Materials) wurden die MAP-PLA-Patches mittels eines besonderen Beschichtungsverfahrens (initiated Chemical Vapor Deposition, iCVD) mit einem speziellen Polymeren (p(HEMA-co-EGDMA)) beschichtet. Dadurch konnten eine erhöhte Hydrophilie sowie eine optimale Zelladhäsion der Osteoblasten erreicht werden, während die Morphologie der Membranen unverändert blieb. Diese funktionalisierten Patches eignen sich besonders für Anwendungen im Knochen- und Gewebeengineering in der Zahnmedizin und in der Orthopädie [Reichstein et al., 2021]. Knochenersatzmaterial aus Rotalgen ist bereits etabliert Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass bereits ein Knochenersatzmaterial (KEM) auf dem Markt ist, das aus Rotalgen stammt und vor 30 Jahren – ebenfalls in Kiel – unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Rolf Ewers entwickelt wurde. Die Ergebnisse seiner Studie zur Sinusbodenelevation zeigen stabile und zuverlässige Ergebnisse [Ewers, 2005]. Das Material – über Jahre unter dem Namen Algipore etabliert und heute als AlgOss 100 verfügbar – gilt als eines der am längsten wissenschaftlich dokumentierten algenbasierten Knochenaufbaumaterialien. Die Arbeiten zeigen, dass Membranen aus Meeresalgen-PLA-Kompositen eine nachhaltige, Tierprodukt-freie Alternative darstellen könnten. Die Ex-vivoErgebnisse liefern vielversprechende Hinweise für die klinische Anwendung, insbesondere im Hinblick auf die Zellkompatibilität, die antibakterielle Wirkung und selektiv anti-proliferative Eigenschaften. Parallel dazu weisen die entwickelten Membranen eine hohe funktionelle Modifizierbarkeit auf. Gleichzeitig bestehen noch Herausforderungen, die für die Translation in die klinische Praxis berücksichtigt werden müssen: zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (447) Abb. 1: Algenarten (a) und schematische Darstellung des Herstellungsprozesses (b) Foto: Aydin Gülses in Anlehnung an [Sayin et al., 2020], Algenfotos: Emine Şükran Okudan

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