Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

zmSTARTER | 75 zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (453) tur in der dominikanischen Großstadt Puerto Plata. Hier leben haitianische Geflüchtete in informellen Dörfern. Ohne sauberes Wasser und eine sanitäre Infrastruktur, ausgestoßen und verdrängt von der Gesellschaft, in der sie Zuflucht suchen. Krankheiten gehören hier zum Alltag – und Zahnschmerzen sind selten ein isoliertes Problem: Entzündungen, Abszesse und systemische Erkrankungen greifen ineinander. Die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Arzt Dr. Milton Moronta war daher an diesen Einsatzorten unabdingbar. Gemeinsam mit meiner Kommilitonin half ich im Rahmen des DIANOProjekts Dr. Moronta beim Aufbau der Zahnmedizin in der Klinik in Puerto Plata. Sie bringt ausschließlich kostenfreie, auf Spendenmaterialien aufgebaute medizinische Hilfe an die Ärmsten der Region. Wir transportierten Spendenmaterialien auf eigene Kosten quer durchs Land, richteten Arbeitsplätze ein, so dass hier inzwischen AUSLANDSFAMULATUR – WHAT TO DO BEFORE 1. Projektauswahl und Timing: „Wann?“ und „Wohin?“ sind die ersten Fragen, die es zu klären gilt. Orientierung bietet hier etwa die Website vom Zahnmedizinischen Austauschdienst (ZAD), auf der Einsätze nach Ländern und Organisationen sortiert vorgestellt werden. Gerade in den Semesterferien ist die Nachfrage hoch und die verfügbaren Plätze sind entsprechend schnell vergeben. Berufstätige Zahnärztinnen und Zahnärzte profitieren hier von ihrer größeren zeitlichen Flexibilität – viele Projekte bevorzugen zudem approbierte Kollegen. 2. Teilnahmebestätigung: Um eine Teilnahmebestätigung zu erhalten, sind in den meisten Projekten mindestens vier Wochen vor Ort abzuleisten. Für Studierende gilt: Für die Projekte darf nur unter Anwesenheit und Aufsicht eines approbierten Zahnarztes gearbeitet werden. Lest euch dazu unbedingt die Erfahrungsberichte zu den jeweiligen Projekten durch! 3. Spenden- und Materialbeschaffung: Hier empfehle ich, rechtzeitig mit der Organisation der Spendenmittel zu beginnen. Die Projektleitungen stellen in der Regel als Orientierung Materiallisten mit den am dringendsten benötigten Verbrauchsgütern zur Verfügung. Spenden lassen sich meist per E-Mail oder über einen persönlichen Kontakt bei Dentalfirmen, Depots oder auch privaten Praxen organisieren – häufig in Form abgelaufener, aber noch nutzbarer Materialien oder sogar Geräte. 4. Reise und Unterkunft: Wenn ihr noch durchs Land reisen wollt, müsst ihr die Flüge und die Reiseroute selbst planen und (meist auch) finanzieren. Auch die Unterkunft liegt oft in der Verantwortung der Teilnehmenden. Die Projekte geben allerdings häufig hilfreiche Hinweise. In manchen Gebieten, wo es einfach keine Hotels oder Apartments gibt, bieten Einheimische gegen einen kleinen Aufpreis Unterkunft und Verpflegung an. Tipp: Zum Teil haben Hilfsorganisationen Kooperationen mit ausgewählten Fluggesellschaften, hier bekommt ihr bessere Konditionen als bei privaten Buchungen, also erkundigt euch bei der Projektleitung rechtzeitig nach den Möglichkeiten. 5. Medizinische Vorbereitung: Eine reisemedizinische Beratung vor dem Abflug empfehle ich ausdrücklich. Die notwendigen Impfungen hängen von der Region und der Route ab – zum Beispiel Amazonasgebiet versus Hochland. Unterschätzt die Untersuchungen in der Reisemedizin vor und nach der Famulatur nicht. Krankheiten wie Typhus, Malaria, Tollwut und diverse Magen-DarmParasiten und -Pilze sind mir auf jedem Einsatz begegnet – trotz Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Auch an Krankheiten wie AIDS und Cholera solltet ihr denken. Die Mehrheit der Patienten, die in den Projekten behandelt werden, wissen nichts von ihrer Krankheit. Macht darum einen Check beim Arzt nach der Reise und habt eine gute Reiseapotheke dabei. 6. Visum und Einreise: Die Einreisebestimmungen variieren je nach Land und Aufenthaltsdauer. In vielen Ländern werden Reisepässe aktiv kontrolliert, die touristischen Aufenthaltsfristen müssen genau beachtet werden. Auch hier empfehle ich die Erfahrungsberichte zu lesen. 7. Erfahrungsaustausch: Der Kontakt zu „Ehemaligen“ ist sehr hilfreich. Hier bieten die Projektleitungen meist eine Kontaktaufnahme per WhatsApp an. Erfahrungsberichte und Reiseberichte finden sich oft direkt auf den ZADProjektseiten und liefern realistische Einblicke in Ablauf, Organisation und Herausforderungen. 8. Finanzierung: Es besteht eine Fördermöglichkeit über den ZAD bei entsprechender Antragstellung. Die Bewilligung ist jedoch abhängig vom Budget und der Anzahl der Bewerbenden. Zusätzlich ist es möglich, eine Förderung über die apoBank-Stiftung (bis zu 1.000 Euro pro Person) zu erhalten; Voraussetzung hierfür ist ein sorgfältig formulierter Antrag mit klarer Projektbeschreibung, den ihr im Namen der NGO einreicht. Dabei müsst ihr unbedingt die Fristen beachten, denn die Bewertung – und im besten Fall Bewilligung – der Anträge, erfolgt durch ein Gremium, das nur selten tagt. Nach Abschluss des Studiums gibt es kaum noch Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Allerdings bieten manche Projekte die Möglichkeit einer steuerlichen Absetzbarkeit an. Hier kann nach der Reise eine sogenannte Ausfallpauschale für das „entgangene Einkommen“ während des Einsatzes geltend gemacht werden. Das ist auch für Studierende möglich, allerdings in deutlich abgeschwächter Form. 9. Bewusstsein der Grenzerfahrung: Abschließend möchte ich euch den ehrlichen Hinweis geben, dass man an seine Grenzen stoßen kann – nicht nur körperlich, sondern auch emotional und mental. Sich zwei Wochen lang nur mit einem Eimer kaltem Wasser waschen zu können, die Höhenkrankheit, Magen-Darm, der Kontakt zu Menschen mit schlimmsten Schicksalsschlägen, der menschenverachtende Umgang der Gesellschaft mit Frauen und Kindern und die Erfahrung von Leid und Armut – eine Famulatur wird eure persönlichen Grenzen neu setzen, ganz abgesehen von den beruflichen.

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