Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

76 | zmSTARTER zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (454) eine neue Station für Studierende entstanden ist und somit auch zahnmedizinische Versorgung erfolgen kann. Eine Famulatur ist weniger ein Karrierebaustein Der zweite Einsatz führte mich nach Peru, wo ich unter anderem in einem Kloster gearbeitet habe. Hier leben Familien, die von extremer Armut betroffen sind, auch viele Kinder, die durch Schicksalsschläge zu Vollwaisen wurden. Ein Großteil von ihnen spricht nur indigene Sprachen und ist gesellschaftlich weitgehend ausgeschlossen. Eine medizinische oder zahnmedizinische Versorgung existiert praktisch nicht – die Familien könnten sie auch nicht bezahlen. Besonders prägend waren die Einsätze in abgelegenen Bergdörfern der Anden. Regionen, die selbst innerhalb des Landes kaum erreichbar sind, oft ist die nächste Stadt einen mehrstündigen Fußmarsch entfernt. Eingebettet in eine karge, aber eindrucksvolle Landschaft, mit Alpaka-Herden und Kartoffelfeldern. Mein dritter und letzter Einsatz führte mich nach Jamaika. Die Arbeit hier richtete sich vor allem an minderjährige Schwangere. Neben Aufklärung und Prophylaxe dominierten akute Notfälle. Die Mangelernährung führt häufig zu schweren Zahnhartsubstanzschäden und Frakturen, somit gehören Extraktionen zum Behandlungsalltag. Neben der Patientenversorgung durfte ich hier zwei inspirierenden jungen Zahnärztinnen zur Seite stehen. Ein interkultureller Austausch, von dem nicht nur die Patienten profitieren konnten, sondern auch ich – weil ich erleben durfte, wie sich weltweit junge, talentierte und empathische Zahnärztinnen und Zahnärzte um das Wohl ihrer Patienten sorgen. Fazit Eine Famulatur ist weniger ein Karrierebaustein, sie ist vielmehr eine tolle Möglichkeit, diesen schönen Beruf neu zu begreifen. Denn manchmal verändert der Ort, wo wir arbeiten, unseren Blick auf die Zahnmedizin. Und die Menschen, die wir damit erreichen. Unser Beruf geht weit über den Behandlungsstuhl hinaus – insbesondere dort, wo Hilfe keine Selbstverständlichkeit ist. In meinen nun fast drei Berufsjahren als junge Zahnärztin auf dem Weg in die Oralchirurgie, habe ich vor allem im Ausland eine andere und tiefe Sinnhaftigkeit im eigenen Tun gefunden, die mich bis heute jeden Tag in meiner Arbeit hier in der Heimat begleitet. n Prophylaxebehandlung eines kleinen Mädchens bei Santo Domingo (Dominikanische Republik) Aufklärung und erste Berührungen mit der Zahnmedizin der Kinder aus dem Kloster in Lamay Ulrike Würpel In der Facharztausbildung zur Oralchirurgin Foto: Ulrike Würpel Fotos: Ulrike Würpel

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