Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

PRAXIS | 15 Dr. Thomas Sailer aus Ludwigsburg. zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (489) INTERVIEW MIT DR. THOMAS SAILER ZUM BOYS'DAY „Männer bringen eigene Stärken mit!“ Die Praxis von Dr. Thomas Sailer aus Ludwigsburg bei Stuttgart hat in den vergangenen Jahren zum Boys'Day Schüler in die Praxis eingeladen. Wie der Schnuppertag für beide Seiten gut funktioniert, erklärt er hier. Dr. Sailer, warum lohnt sich der Aktionstag für Praxen? Dr. Thomas Sailer: Man kann sich vor Ort und im Geschehen viel besser kennenlernen als in einem steifen Bewerbungsgespräch. Wir haben oft beobachtet, wie sich junge Menschen darin verkrampfen und kaum noch authentisch sein können. Wir verstehen den Boys'Day als eine Art Hospitation und lassen die Jungs einen Tag lang mitlaufen. Sie bekommen einen Einblick in die Behandlungen und auch in die Chirurgie. Beim Reden und Erklären erfahren automatisch beide Seiten mehr voneinander, so unsere Erfahrung. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Wir haben vom Veranstalter eine Einladung erhalten und uns dann auf deren Homepage informiert. Viel zu organisieren gibt es da nicht. Wir laden allerdings nicht mehr als zwei Praktikanten gleichzeitig ein. Das würde sonst die Koordination überfordern. Einmal hatten wir acht Schüler gleichzeitig hier, das war zu viel. Was war Ihre Motivation für die Teilnahme am Boys’Day? Zum einen sind wir der Meinung, dass man solche Aktionen grundsätzlich unterstützen sollte, wenn man kann. Zum anderen haben wir bereits einen Mann im Team, unseren Zahnmedizinischen Fachangestellten Emanuele, der hervorragend ins Team passt. Somit haben wir bereits erste Erfahrungen mit einem männlichen Kollegen gemacht und erkannt, wie positiv sich das auf die Teamdynamik auswirkt. Das hat uns gezeigt, dass Männer den Beruf der ZFA ebenfalls hervorragend ausführen können und eigene Stärken mitbringen. Deshalb wollen wir unsere Türen gezielt für weitere männliche Mitarbeiter öffnen. Welche Stärken sind das? Zunächst einmal wird das Team heterogener, was immer bereichernd und ausgleichend ist. Auch die Patienten finden das gut. Vor allem unter den Patientinnen hat Emanuele inzwischen eine richtige Fan-Base. Sie gehen gerne zu ihm, denn alle schätzen seine unkomplizierte und kompetente Art. Er macht einen super Job und hat sich toll entwickelt. Ehrlicherweise hatte ich anfangs jedoch Vorbehalte wegen des engen Kontakts bei der Zusammenarbeit. Behandler und Assistenz sind sich bei der Tätigkeit am Patienten schließlich sehr nah. Ich wollte zunächst mit meinem Bruder, der damals noch in der Praxis war, und mit meiner Frau Rücksprache halten. Beide meinten: „Versuche es!”, denn sie waren beide sehr von unserem männlichen Bewerber angetan. Männliche ZFA sind eher noch die Ausnahme in den Praxen. Gibt es etwas, was Praxen im Umgang mit männlichen Bewerbern beachten sollten? Eigentlich gibt es wenig Besonderes zu beachten. Ich denke, die Jungs sind vielleicht eher von der Technik beeindruckt. Wir haben die Schüler insgesamt als sachorientiert und neugierig erlebt. Ansonsten halte ich es für alle Bewerber und Bewerberinnen wichtig, dass sie Menschenfreunde sind, sich sozial und empathisch zeigen und gerne im Kontakt mit den Patienten sind. Zusammen mit einer gewissen Dienstleistungsmentalität sind das die Grundvoraussetzungen – völlig geschlechtsunabhängig. Das Gespräch führte Laura Langer.

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