ZAHNMEDIZIN | 21 Für die Zahn- und Mundgesundheit informiert die Leitlinie über die bevorzugte Mundatmung, frühkindliche Karies (ECC) und Zahnfehlstellungen. Leitlinie liefert differenzierte Einschätzungen zur Mundatmung: Da eine reduzierte Muskelspannung als möglicher Faktor für Mundatmung diskutiert wird, finden sich in der Literatur Hinweise, dass das Saugen an der Brust die orofaziale Muskulatur fördern könnte [Peres et al., 2015]. Laut der Leitlinie könnte eine Gesamtstilldauer von mehr als zwölf Monaten im Vergleich zu einer kürzeren Gesamtstilldauer möglicherweise protektiv in Bezug auf die bevorzugte Mundatmung sein. Das gilt auch für eine Gesamtstilldauer von mehr als 24 Monaten im Vergleich zu weniger als 24 Monaten. Für ausschließliches beziehungsweise überwiegendes Stillen über sechs Monate im Vergleich zu einer kürzeren Stilldauer ergeben sich hingegen keine Anhaltspunkte für protektive oder adverse Effekte auf bevorzugte Mundatmung. Für alle Studien wird die Evidenz als sehr niedrig eingestuft. zu frühkindlicher Karies: Frühkindliche Karies (ECC) bezeichnet Kariesbefall im Milchgebiss bis zum sechsten Lebensjahr. Die Leitlinie bewertet Muttermilch hinsichtlich ihrer möglichen Kariogenitätdifferenziert: Einerseits könnte der Milchzucker (Lactose) theoretisch zur Kariesentstehung beitragen, andererseits enthält Muttermilch protektive, antibakteriell wirkende Bestandteile. Zusätzlich wird ein möglicher Schutz über die Stillmechanik diskutiert: Die Milch gelangt beim Saugen überwiegend nach hinten in Richtung Rachen und wird geschluckt, statt sich länger an den Zahnflächen zu halten. Insgesamt wird die Studienlage als uneinheitlich beschrieben. Aufgrund deutlicher methodischer Einschränkungen sind belastbare Schlussfolgerungen nur eingeschränkt möglich. zu Zahn- und Kieferfehlstellungen: Stillen wird in der Leitlinie auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von Zahn- und Kieferfehlstellungen diskutiert. Zur möglichen Erklärung führen die Autoren an, dass die orofaziale Muskulatur beim Saugen an der Brust stärker beansprucht wird als bei der Flaschenernährung. Insgesamt finden sich Hinweise, dass Kinder, die gar nicht, nur unregelmäßig oder kürzer als sechs Monate gestillt wurden, häufiger Zahnfehlstellungen aufweisen als Kinder, die über sechs beziehungsweise zwölf Monate voll gestillt wurden – die Evidenz wird jedoch als sehr niedrig eingestuft. nl Die vollständige Leitlinienfassung finden Sie über den QR-Code. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V.: S-3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0, Datum, Registernummer 027-072, 2025, verfügbar unter: https://register. awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072 (Zugriff am 26.02.2026) zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (495) Einmal registrieren, immer sparen! Einfache Materialbestellung. Schneller Preisvergleich. aera-online.de Jetzt registrieren und bis zu 50 % sparen! Clevere Funktionen für eine bequeme Nachbestellung. 100 % kostenfrei.
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