Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

POLITIK | 25 den etwa 4,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, das sind rund 2,2 Millionen Personen, diese Produkte – mit steigender Tendenz [Rauschert C. et al., 2021]. Dabei lassen sich verschiedene Arten unterscheiden. Auf dem Markt sind sogenannte ENDS (Electronic Nicotine Delivery Systems), also Geräte, die nikotinhaltiges Aerosol erzeugen, wie E-Zigaretten mit Nikotinliquid, Tabakerhitzer oder nikotinhaltige Pods. Daneben existieren ENNDS („electronic non-nicotine“-Produkte), die nikotinfreies Aerosol erzeugen, beispielsweise E-Zigaretten mit nikotinfreien Liquids oder aromatisierte Verdampfer („Vapes“). Neben diesen elektronischen Systemen gibt es auch rauchfreie Tabak- und Nikotinprodukte wie Snus und tabakfreie Nikotinbeutel (Nicotine Pouches), die hochkonzentriertes Nikotin enthalten und freisetzen. In Deutschland sind diese Produkte nicht zugelassen. Dennoch zeigen Umfragen, dass sie gerade unter Jugendlichen genutzt werden. Rauchen und Gesundheit Unabhängig von der jeweiligen Produktform ist der Nikotinkonsum mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Rauchen führt zur Abhängigkeit, schädigt nahezu jedes Organ und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen deutlich. Aus zahnmedizinischer Sicht stellt der Tabakkonsum einen zentralen Risikofaktor dar. Das Risiko, an Parodontitis zu erkranken, ist um bis zu 85 Prozent erhöht, und die Ergebnisse parodontaler Therapien bei Rauchenden sind signifikant schlechter [Leite FRM et al., 2018; Chang J et al., 2021]. Zudem wird Rauchen mit einer erhöhten Kariesanfälligkeit assoziiert. Für Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens zählen Tabak- und Alkoholkonsum zu den wichtigsten Risikofaktoren [Tabnjh AK, 2025; Ford PJ, 2021]. Auch elektronische Nikotinprodukte sind aus mundgesundheitlicher Perspektive kritisch zu bewerten. Die beim Gebrauch entstehenden Aerosole enthalten chemische Zusatzstoffe und häufig Nikotin, die direkt auf die Mundschleimhaut einwirken. Studien deuten auf potenzielle Schleimhautschädigungen und Wundheilungsstörungen hin. Rauchfreie Produkte wie Snus oder Nikotinbeutel können insbesondere an den Applikationsstellen lokale Gewebeschäden verursachen. Somit bergen sowohl klassische als auch neuartige Nikotinprodukte relevante Risiken für die Mundgesundheit [DKFZ, 2023]. Ein Rauchstopp wirkt sich nachweislich positiv auf die Allgemeinzm116 Nr. 07, 01.04.2026, (499) Dr. Alice Arndt-Fink Referentin in der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer Foto: privat Dr. Michael Brandt Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzender des Ausschusses Präventive Zahnmedizin der Bundeszahnärztekammer Foto: ZÄK Schleswig-Holstein Dr. Sebastian Ziller Leiter der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer Chausseestr. 13, 10115 Berlin Foto: BZÄK / Sandra Irmler, 2023 Prof. Dr. Johan Wölber Professur für Parodontologie Poliklinik für Zahnerhaltung – Bereich Parodontologie UniversitätsZahnMedizin Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden Fetscherstraße 74, 01307 Dresden Foto: privat Foto: nenetus – stock.adobe.com

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