Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

POLITIK | 29 zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (503) sum von E-Zigaretten assoziiert sind auch die Entstehung proinflammatorischer Zytokine, eine verzögerte Fibroblastenmigration, DNA-Schäden und Zelltod [Ganapathy V. et al., 2025]. Die Nutzung von Tabakerhitzern geht mit einer Verringerung der Sekretion von unstimuliertem Speichel einher sowie mit geringeren Konzentrationen von entzündungshemmendem Lactoferrin und Lysozymen [Mori Y. et al., 2022]. Das orale Mikrobiom bei Konsumierenden von Zigaretten sowie rauchlosem Tabak weist zudem eine höhere bakterielle Diversität auf, verglichen mit dem von Nicht-Konsumierenden [Chattopadhyay S. et al., 2024]. Da Tabakerhitzer Nikotin enthalten, von dem bekannt ist, dass es die Durchblutung des Zahnfleisches vermindert, sind vermutlich bei Konsumierenden dieser Produkte, Abwehr und Heilungsprozesse, analog zur Wirkung von Tabakzigaretten, ebenfalls beeinträchtigt. Das Tabakerhitzeraerosol enthält zudem kanzerogene Stoffe (zum Beispiel FormaldehydundAcrolein)undweitere gesundheitsschädigende Verbindungen (etwa Chlor-1,2-3, Propandiol und Furfural) [BfR, 2017]. Zu den Auswirkungen von Nikotinbeuteln auf die Mundgesundheit ist bislang wenig bekannt. In Laborstudien mit oralen Zellen wurde beobachtet, dass der Nikotingehalt in den Beuteln zytotoxische Nikotinspiegel im Speichel verursachen könnte [Jackson M. et al., 2023]. Als gesichert gelten Veränderungen der Mundschleimhaut, die – abhängig von Häufigkeit und der Dauer der Nutzung der Nikotinbeutel – zum Auftreten von Schleimhautveränderungen und Gingivarezessionen führen können sowie die Beobachtung vermehrter Mundtrockenheit und wunder Bereiche in Mund und Rachen [Rungraungrayabkul D. et al., 2024]. Wichtig sind jetzt Maßnahmen zur Verhältnisprävention Während immer neue Produkte der Tabak- und Nikotinindustrie auf den Markt gelangen, mangelt es in Deutschland an einer politischen und vor allem Legislatur-übergreifenden Agenda, um den Konsum zu reduzieren. Notwendig ist, den aktuellen Fokus auf individuelle Maßnahmen der Verhaltensprävention, die zweifelsohne bedeutsam sind, in Richtung Ausbau und Stärkung struktureller Maßnahmen der Verhältnisprävention zu verschieben. Diese tragen nachweislich dazu bei, den Tabak- und Nikotinkonsum zu denormalisieren. Länder wie die Niederlande beschreiten diesen Weg erfolgreich seit zehn Jahren und verzeichnen sinkende Konsumzahlen in allen Sozialstatusgruppen [van Aerde M. et al., 2024]. Die Veränderung der sozialen Norm trägt dazu bei, dass der/die Einzelne seine individuelle Norm „zu rauchen“, in Relation zu der sich verändernden Norm betrachtet und auch die Entscheidung für eine Verhaltensänderung neu justiert. Auf die Agenda gehören folgende Maßnahmen und ein Zeitplan für deren Umsetzung: n eine jährlich deutliche Erhöhung der Steuer auf alle Tabak- und Nikotinprodukte, n der umfassende Schutz vor Passivinhalation für alle, n regelmäßige Aufklärungskampagnen zu Risiken von Tabak– und neuen Nikotinprodukten, n ein konsequentes Verbot von Sponsoring und Marketing für Tabakund Nikotinprodukte, insbesondere in Online-Medien, n Einheitsverpackungen für alle Tabak- und Nikotinprodukte sowie n das Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten. Prof. Dr. Sabina Ulbricht Aktionsbündnis Nichtrauchen (Vorstandsvorsitz und Geschäftsführung) und Institut für Community Medicine, Abteilung SHIP-KEF, Universitätsmedizin Greifswald n Foto: aleksandr_yu – stock.adobe.com

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