Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

EDITORIAL | 3 Wenn Evidenzen immer wieder infrage gestellt werden alternative Tabak- und Nikotinprodukte von einer Expertin beleuchten und haben ein Interview mit einer Krebsforscherin geführt. Außerdem sprachen wir mit dem Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Martin Hendges, über den „Aktionsplan 2025 bis 2030 für eine wohnortnahe und flächendeckende vertragszahnärztliche Versorgung“. Er berichtet, welches Echo die Vorschläge der KZBV in der Politik bisher hervorgerufen haben und wie man den Aktionsplan weiter voranbringen will. Darüber hinaus stellen wir kompakt die neue S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ vor. Insgesamt 26 wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsgruppen haben sich an der Erarbeitung von zwei neuen Empfehlungen zur Stilldauer beteiligt. Die neue Leitlinie enthält zudem differenzierte Einschätzungen zu den Auswirkungen des Stillens auf die Mund- und Zahngesundheit – unter anderem mit Blick auf die Mundatmung, ECC und die Okklusion. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur Manche Diskussionen tauchen in regelmäßigen Abständen wieder auf, auch wenn die Sachlage eigentlich klar zu sein scheint. Schwierig wird es immer dann, wenn eine eindeutige Evidenzlage angezweifelt wird – was natürlich richtig und legitim wäre, wenn es neue Evidenzen gäbe. Beim Thema Fluorid sind nicht zuletzt durch die Entwicklungen in den USA, wo eine wissenschaftskritische Regierung einen kruden Kulturkampf gegen gesetzte Standards führt, neue Diskussionsschleifen entstanden, ohne wissenschaftlich fundierte neue Erkenntnisse. Und hierzulande hat es der Versuch einer vermeintlichen Graswurzel-Gruppierung, Fluorid in Zahnpasta in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, trotz mäßigen Erfolgs in die Publikumsmedien geschafft. Ein bekanntes deutsches Nachrichtenmagazin hat sehr klar recherchiert, dass hinter der Pseudo-Bürgerinitiative knallharte wirtschaftliche Interessen eines Herstellers von fluoridfreier Zahnpasta stecken. Wir in der zm stellen ja mit schöner Regelmäßigkeit den aktuellen wissenschaftlichen Sachstand zum Thema Fluorid vor, so dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, stets auf dem Laufenden sind. So könnten wir eigentlich über derartige Initiativen müde lächeln. Nur leider, leider lassen sich insbesondere junge Eltern gerne von derartigem Unfug verunsichern, mit dem Sie dann in den Praxen konfrontiert werden. Wichtige Informationen zum Thema finden Sie unter anderem auch auf der Website der Bundeszahnärztekammer. Damit können Sie für Klarheit sorgen. In unserer Titelgeschichte beschäftigen wir uns diesmal mit dem Thema Retainer in der Kieferorthopädie. Zwar herrscht Einigkeit darüber, dass Retentionsmaßnahmen ein zentraler Bestandteil kieferorthopädischer Therapiekonzepte und besonders für die langfristige Stabilität im Frontzahnbereich relevant sind. Doch darüber hinaus werden Art, Dauer und Intensität der Retention durchaus kontrovers diskutiert. Unsere Titelgeschichte will deshalb einen Überblick über die aktuelle Evidenz geben. Dabei werden Retainer-Strategien im Hinblick auf deren Alltagstauglichkeit diskutiert. Zudem werden aber auch weitere Aspekte wie die Rolle der Patientencompliance sowie typische Komplikationen und Anforderungen an die Nachsorge betrachtet. Alles zusammen ergibt Konsequenzen für die Planung, die Kontrolle und die Kommunikation von Retentionskonzepten. Daneben finden Sie in diesem Heft ein Artikel-Paket zum Thema Rauchen und Mundgesundheit. Mit ihrem aktualisierten Positionspapier will die BZÄK Rauchen als bedeutenden Risikofaktor für die Mund- und Allgemeingesundheit stärker in den Fokus der präventions- und gesundheitspolitischen Diskussionen zu rücken. Ziel ist es natürlich, dadurch den Tabakkonsum zu senken. Zusätzlich lassen wir Foto: Lopata/axentis

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