Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

32 | ZAHNMEDIZIN AUS DER WISSENSCHAFT Adjuvante systemische Antibiotikatherapie bei Stadium-III/IV-Grad-C-Parodontitis? Søren Jepsen Im Sinne des Antibiotic Stewardship (Minimierung von Resistenzbildungen) werden in vielen Bereichen der Medizin mittlerweile Kurzzeitgaben systemischer Antibiotika empfohlen. Eine randomisierte kontrollierte Studie einer australischen Arbeitsgruppe hat nun die Wirksamkeit der adjuvanten systemischen Gabe von Azithromycin bei Stadium-III/IV-Grad-C-Patienten untersucht. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie der Parodontitis empfiehlt keine routinemäßige Anwendung adjuvanter systemischer Antibiotikatherapie im Rahmen der nichtchirurgischen subgingivalen Instrumentierung (Therapiestufe 2). Sie kann allerdings für bestimmte Patientengruppen mit nachgewiesener rascher Progression (zum Beispiel generalisierte Stadien III und IV der Parodontitis bei jungen Erwachsenen) erwogen werden. Azithromycin ist bekannt für seine antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften und damit im Rahmen der nichtchirurgischen subgingivalen Instrumentierung (NSI) von potenziellem Interesse. Ziel der Studie war es, die klinischen, mikrobiologischen und entzündlichen Veränderungen über zwölf Monate nach der systemischen Verabreichung von Azithromycin, adjuvant zur NSI, bei Patienten mit Parodontitis im Stadium III/IV, Grad C, in einer dreifach blinden, parallelarmigen, randomisierten Placebo-kontrollierten Studie (RCT) zu untersuchen. Material und Methode 52 Patienten mit dieser Diagnose wurden zufällig zwei Gruppen zugeteilt, die NSI unter Lokalanästhesie erhielten, entweder mit der adjuvanten systemischen Gabe von Azithromycin (500 mg) oder von Placebo-Kapseln. Diese wurden einmal täglich für drei Tage beginnend unmittelbar vor der NSI verabreicht. Der primäre Zielparameter war die Veränderung der parodontalen entzündeten Taschenoberfläche (PISA-Werte) über zwölf Monate. Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen in der Sondierungstiefe (PD), des klinischen Attachmentniveaus (CAL), der Blutung bei Sondierung (BoP), dem prozentualen Anteil an Stellen mit PD von 1–3, 4–5, ≥5und ≥6 mm, subgingivale Parodontalpathogene, Zytokinspiegel und patientenberichtete Endpunkte (Patient Reported Outcomes = PROs). Ergebnisse Primärer Endpunkt: Nach drei und nach zwölf Monaten gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Reduktion des PISA-Wertes zwischen den Gruppen. Die mittlere Reduktion der PISA-Werte betrug 1329,9 ± 732,6 mm² in der Azithromycin-Gruppe und 1081,0 ± 529,2 mm² in der Placebo-Gruppe nach drei Monaten sowie 1348 ± 691,7 mm² in der Azithromycin-Gruppe und 1163,0 ± 574,7 mm² inder Placebo-Gruppe nach zwölf Monaten. Bezüglich der sekundären Zielparameter wurden zwischen den Gruppen nach drei und nach zwölf Monaten keine staFoto: Jepsen zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (506) Univ.-Prof. Dr. med. dent. Dr. med. Søren Jepsen, MS Poliklinik fü r Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, Zentrum fü r Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Bonn Welschnonnenstr. 17, 53111 Bonn Foto: privat

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