Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

POLITIK | 35 bekräftigte Czyborra. Der Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar habe gezeigt, wie fatal es sei, wenn niedergelassene Ärzte und Zahnärzte nicht oder nur eingeschränkt praktizieren können. „Wir müssen noch intensiv darüber reden, wie wir Ärzte und Zahnärzte einbinden können“, führte sieaus. „Wir spüren insbesondere bei den Zahnärzten viel Bereitschaft. Sie könnten viel beitragen“, pflichtete ihr Regierungsberater Sander bei. Denkbar sei, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte bei Verwundungen im Gesicht die Versorgung unterstützen. Bislang fehlten allerdings Steuerungsrechte – die Grenze zwischen dem stationären und dem ambulanten Sektor sei sehr starr, bemängelte er. Generalstabsärztin Dr. Almut Nolte stellte heraus, dass die Bundeswehr im Verteidigungsfall auf Unterstützung angewiesen sei. Verteidigung sei eine gesamtstaatliche Aufgabe und nur im engen Schulterschluss möglich. Dabei gebe es schon Kooperationen, etwa mit Unikliniken. Die Bundeswehr ist auf Unterstützung angewiesen „Es muss ein gesamtstaatliches Lagebild geben“, erklärte die stellvertretende Befehlshaberin des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. So sei es im Verteidigungsfall beispielsweise wichtig zu wissen, wie viele Krankenhausbetten wo frei sind. Bislang sei allerdings noch nicht festgelegt, wer dieses Lagebild erstellen soll. Außerdem sei ein Gremium nötig, „mit dem wir Dinge koordinieren können“, betonte sie. „Wir müssen ins Handeln kommen“, forderte die Generalstabsärztin. Resilient zu sein heiße, Handlungsfähigkeit zu zeigen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf ein Symposium, das die Bundeswehr im Juni 2025 mit Stakeholdern aus dem Gesundheitswesen durchgeführt hat. Daran war auch die Bundeszahnärztekammer beteiligt. Außerdem nahm sie Bezug auf die Übung „Medic Quadriga“, bei der vom 4. bis zum 7. März in Berlin und Brandenburg über 1.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 250 zivile Beteiligte die zivilmilitärische Zusammenarbeit bei der Versorgung Verwundeter trainierten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat bereits angekündigt, dass sie im Sommer einen Referentenentwurf für ein Gesundheitssicherstellungsgesetz vorlegen will. Ines Perea, Leiterin der für Gesundheitssicherheit und Resilienz zuständigen Unterabteilung im Bundesgesundheitsministerium (BMG), versicherte, dass das Ministerium „mit Hochdruck“ an dem Entwurf arbeite. Darin gehe es um eine bessere Koordinierung von Bund und Ländern. Nötig sei „ein Denken über die bisherigen Grenzen hinweg“. Das BMG arbeitet an einem Gesetzentwurf „Wir arbeiten auch an einem Lagebild“, informierte Perea. Die Daten seien entscheidend für die Personalplanung und um einen Überblick zu bekommen, welches Krankenhaus wie viel wo gelagert hat. Außerdem sei ein Lagezentrum oder ein Gremium nötig, wo Entscheidungen getroffenwerden. Allerdings sei es nicht möglich, alles von einer Stelle aus zu dirigieren. „Die föderale Struktur können wir auch in der Krise nicht außer Kraft setzen“, stellte Perea klar. Der Bund müsse zusammen mit den Ländern entscheiden. Ziel des Gesetzes sei, Entscheidungsstrukturen für den Krisenfall zu schaffen. ao Unter dem Motto „Das Gesundheitswesen in der Gesamtverteidigung: resilient und sicher“ diskutierten (v.l.) Prof. Dr. Leif Erik Sander (Charité), Dr. Almut Nolte (Bundeswehr), Dr. Daniel Dettling (Gesundheitsstadt Berlin), Reinhard Nieper (ukb), Dr. Ina Czyborra (Gesundheitssenatorin Land Berlin) und Dr. Iris Hauth (Gesundheitsstadt Berlin) die Lage in Deutschland. zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (509) „Wir spüren insbesondere bei den Zahnärzten viel Bereitschaft. Sie könnten viel beitragen.“ Prof. Dr. Leif Erik Sander, Koordinator der AG „Health Security“ und Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin der Berliner Charité Foto: Fachtagung KRITIS 2026/Dorothea Scheurlen

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