48 | GESELLSCHAFT CARINA SCHRILLS AUS SCHLESWIG-HOLSTEIN Wie es ist, mit 23 Zahnärztin zu sein Als kleines Mädchen wollte Carina Schrills Tierärztin werden. Doch als bei ihr die erste Zahnspange eingesetzt wurde, entdeckte sie ihre Faszination für Zähne. Nach einem Praktikum beim Veterinär stand endgültig fest: Sie will lieber Zahnmedizin studieren. Einschulung mit fünf, mit 17 Abitur, dann Studium und zack: steht sie nun mit 23 Jahren am Patienten. Wieso hat sie die Ausbildung so rasant durchgezogen? Ein Grund: „Corona. Nach dem Abitur im Herbst 2020 war an ein Auslandsjahr nicht zu denken!“ Also rein ins Studium! Da sie den Platz an der Universität Kiel erst im Nachrückverfahren bekam, zog sie quasi über Nacht nach Schleswig-Holstein. „Rückblickend bin ich froh, dass ich diesen doch recht großen und spontanen Schritt damals gewagt habe. Ich bin über 500 Kilometer weg von meinen Eltern gezogen, ganz allein vom Dorf in eine neue Stadt. Natürlich war ich am Anfang etwas unsicher, fand es aber umso wichtiger, für meinen Traumberuf mutig zu sein“, erzählt sie. Und sie würde es genauso wieder machen: „Das Studium ist von Natur aus sehr intensiv und das wäre es auch gewesen, wenn ich mir mehr Zeit genommen hätte, etwa mit einem Freisemester. Ich habe trotzdem viel gemacht, viel geschafft und meine Studienzeit genossen, so gut ich konnte." Es gab nur Plan A In harten Zeiten, zum Beispiel in der Vorklinik und bei der Lehre am Phantomkopf, versuchte Schrills, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Erlebt hat sie das so: „Wenn man beispielsweise beim Präparieren der Zähne bei den ersten ein, zwei Versuchen nicht im richtigen Winkel angesetzt hat, gab es direkt negatives Feedback. Umgekehrt erinnere ich mich kaum an lobende Worte der Lehrenden. Wenn Studierende nicht 100 Prozent vom Berufsziel Zahnarzt überzeugt sind, kann es tatsächlich passieren, dass man irgendwann hinschmeißt und geht.“ Das habe sie mehrmals beobachtet. „Letztlich habe ich mit einer Handvoll Kommilitoninnen und Kommilitonen aus der Studiengruppe den Abschluss geschafft. Ob die eine oder der andere ein paar Jahre älter waren oder ich eben jünger, ist nie sonderlich ins Gewicht gefallen. Am Ende kommt es darauf nicht an, niemand fragt später danach. Mein junges Alter ist ja selbst noch keine Leistung. Ich habe gesehen, wie alle versucht haben, ihr Bestes zu geben, um zu bestehen“, sagt Schrills. „Ja, ich bin die Zahnärztin“ Das Studium schloss sie regulär nach zehn Semestern ab, im Herbst 2025 bestand sie die letzte Prüfung des Staatsexamens mit dem Gesamturteil „Sehr gut“. Was hat ihr geholfen, das Programm so durchzuziehen?. „Es gab für mich nur Plan A, deshalb war Aufgeben keine Option.“ Seit März absolviert sie ihre Assistenzzeit in einer Kieler Praxis. Dass sie mit gerade 23 Jahren bereits am Patienten arbeitet, nimmt Schrills anders wahr, als es von außen manchmal wirkt: „Ich fühle mich oft deutlich älter, als ich bin, oder denke einfach selten darüber nach.“ Patienten halten die sanfte, zierliche junge Frau allerdings häufig nicht direkt für eine Zahnärztin. „Viele sind erstmal ein bisschen irritiert und denken, ich sei die ZFA. Aber nachdem ich mich vorgestellt hatte, hat sich das oftmals ganz schnell erübrigt. Und die meisten sind dann sogar ziemlich begeistert, dass man so jung schon Zahnärztin ist“, berichtet sie und schmunzelt. Ja, es gebe Patienten, die ihre Behandlungsansätze zunächst hinterfragen, was sie beim Chef nicht täten. „Aber ich habe Verständnis dafür. Sie müssen zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (522) Da war es geschafft: Im Herbst 2025 gab es das Staatsexamen, Note „Sehr gut“.
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