GESELLSCHAFT | 49 mich erst kennenlernen und sich auf mich einlassen. Wir machen schließlich einen sehr intimen Job. Man darf niemanden überrumpeln“, erklärt Schrills. „Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, sich als junger Mensch klar und souverän dem Patienten vorzustellen und selbstsicher aufzutreten. Das hat übrigens nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit dem Selbstbewusstsein, das man ausstrahlen muss, um ernst genommen zu werden.“ Die Reaktionen seien in hohem Maße positiv. Wo es hakt, gibt der Chef Rückendeckung. Zu zweit arbeiten sie in einer kleinen Praxis. Er teilt ihr die Neupatienten zu, für die sie die zuständige Behandlerin bleiben soll. Die Stelle als Vorbereitungsassistentin zu bekommen, war für Schrills nicht einfach. Zum einen wollten viele Praxen lieber jemanden mit Erfahrung – bestenfalls einen potenziellen Übernehmer. „Zum anderen wollte ich gern in Kiel bleiben, nicht zurück aufs Dorf und auch nicht ewig zur Arbeit fahren." Sie habe feststellen müssen, dass es deutlich schwieriger sei, eine Assistenzstelle in der Stadt zu bekommen als auf dem Land. Daher habe sie auch ihre Gehaltsvorstellung ganz bodenständig formuliert. Man fängt halt kleinan. Wenn du jung bist, kann noch nicht alles perfekt sein „Ich war froh, überhaupt einen Platz zu finden. Mir ist primär wichtig, mich in der Praxis wohlzufühlen und einen guten Arbeitsweg zu haben. Wer nur wegen des Geldes zusagt und den Wert einer fairen Arbeitsmentalität unterschätzt, läuft Gefahr, schnell nur für die weniger relevanten, immer gleichen Aufgaben abgestellt zu werden.“ Nach neun Monaten wartet auf die Nachwuchs-Zahnärztin eine Umsatzbeteiligung. Einer der entscheidenden Vorteile des Durchstartens sieht Schrills in ihrer Unabhängigkeit. „Ich bin nun sehr früh unabhängig von meinen Eltern, verdiene mein eigenes Geld und kann mein Leben ganz frei gestalten.“ Rückblickend würde sie sich heute nicht mehr so viel Gedanken machen, ob sie das Studium schafft. „Man macht sich immer viel mehr Sorgen, als man müsste. Jedes Semester dachte ich, dass irgendetwas schiefläuft oder ich eine Prüfung nicht schaffe und nicht bestehe. Am Ende ist dann alles halb so schlimm. Man sollte öfter an seine Stärken denken, als daran, was vielleicht noch nicht so gut klappt. Denn man lernt als junger Mensch eben noch und kann nicht auf Anhieb alles perfekt." LL zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (523) In den Semesterferien 2024 absolvierte Schrills über ein Austauschprogramm der Uni Kiel eine Famulatur in Kairo. Dort konnte sie an der Uniklinik mitlaufen, an Vorlesungen teilnehmen und viele spannende Einblicke mitnehmen. „Leider war zu dieser Zeit gerade Ramadan und es kamen vor allem Notfallpatienten rein. Niemand wollte tagsüber mit Wasser in Berührung kommen.“ Seit März arbeitet die junge Zahnärztin (r.) in einer Kieler Praxis und ist SchleswigHolsteins jüngstes Kammermitglied. Foto: Carina Schrills
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