Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

52 | ZAHNMEDIZIN Wahl des operativen Zugangs Ziel war eine vollständige Tumorresektion ohne Fragmentierung bei maximaler Übersicht im Hinblick auf mögliche Gefäßkomplikationen. Ein rein intraoraler Zugang erschien hierfür ungeeignet. Eine vertikale Osteotomie des aufsteigenden Unterkieferastes wurde aufgrund des größeren Weichgewebetraumas und der ausgedehnten Osteotomie verworfen. Stattdessen fiel die Entscheidung zugunsten einer temporären horizontaldiagonalen Mandibulotomie oberhalb des Foramen mandibulae, die eine gute Exposition bei vergleichsweise begrenztem knöchernem Trauma ermöglicht [Basaran et al., 2014; Sergi et al., 2008]. Operatives Vorgehen Präoperativ erfolgten die Anlage eines arteriellen Katheters, das Bereithalten von Erythrozytenkonzentraten sowie die Vorbereitung eines intraoperativen Nervenmonitorings. Nach präaurikulärem Hautschnitt mit kaudaler und anteriorer Erweiterung wurde das Platysma schichtweise präpariert. Der Hauptstamm des N. facialis wurde dargestellt und kontinuierlich überwacht. Nach Darstellung der Gefäß-NervenStraße wurden die A. carotis communis sowie die A. carotis interna freipräpariert. Die A. carotis interna wurde vorsorglich mit einem Gefäßloop unterfahren und gesichert. Anschließend erfolgten die Mobilisation der Glandula parotis sowie die Darstellung des Kieferwinkels. Nach subperiostaler Präparation wurde die geplante Osteotomie oberhalb des Foramen mandibulae angezeichnet. Zur späteren Reposition wurden vorab Osteosyntheseplatten angepasst, Schraubenlöcher vorgebohrt und das Material wieder entfernt. Die Osteotomie erfolgte mittels Säge unter Schutz der medialen Weichteile. Nach Distraktion des Osteotomiespalts mit einem Stromeyer-Haken bestand freie Sicht auf den Tumor. Die Raumforderung präsentierte sich kapsuliert und verdrängend wachsend. Sie konnte unter Schonung der Nachbarstrukturen sorgfältig präpariert und vollständig in toto ohne Eröffnung der Kapsel entfernt werden. Dazu wurde zur Schonung der Gefäße mit dem Zeigefinger der Proc. Styloideus lokalisiert und mit der führenden Hand die stumpfe umrundende Präparation durchgeführt. Nach Einlage einer Drainage erfolgten die Reposition des Unterkiefers und die definitive Osteosynthese mit den zuvor adaptierten Osteosyntheseplatten. Der Wundverschluss erfolgte schichtweise. Diskussion Das pleomorphe Adenom (PA) ist der häufigste benigne Tumor der Speicheldrüsen und entsteht überwiegend in der Glandula parotidea. Deutlich seltener sind PA der kleinen Speicheldrüsen [Thoeny, 2007; Panigrahi et al., 2013]. Extra- beziehungsweise parapharyngeale Lokalisationen sind selten, können lange klinisch stumm bleiben und sind diagnostisch wie therapeutisch anspruchsvoll [Hakeem et al., 2009; Varghese et al., 2003; Akin et al., 2014; Sergi et al., 2008]. Eine sichere Bildgebung (insbesondere MRT) ist essenziell, um die Tumorausdehnung, die Beziehung zur Schädelbasis sowie die Nachbarschaft zu Gefäßen und Hirnnerven zu beurteilen [Thoeny et al., 2007]. Insbesondere Läsionen im Mastikatorraum entziehen sich häufig einer frühen klinischen Detektion und fallen oft erst bei erheblicher Größe auf. Sie zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (526) Abb. 6: Intraoperativer Situs: Mandibulotomie nach temporärer Fixation der Osteosyntheseplatte und Vorbohren aller Schraubenlöcher. Roter Loop um A. carotis interna. Im unteren linken Bildrand: M. sternocleidomastoideus und Venter posterior des M. digastricus, Linie = Osteotomielinie, 1 = gelenktragender Anteil, 2 = zahntragender Anteil des Unterkiefers, Kreise = Bohrlöcher für spätere Osteosynthese Abb. 7: Intraoperativer Situs nach Osteotomie und Distraktion des Unterkiefers nach kaudal, Exposition des pleomorphen Adenoms in der Mastikatorloge. 1 = M. sternocleidomastoideus, 2 = Venter posterior des M. digastricus Abb. 8: Resektat: makroskopische Ansicht des vollständig in toto entfernten pleomorphen Adenoms

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=