Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

54 | POLITIK INTERVIEW MIT DAJ-GESCHÄFTSFÜHRERIN DR. STEFFI BECKMANN „Gruppenprophylaxe gilt heute als zentraler Baustein der Kindergesundheit“ Die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe gehört zu den Tätigkeiten des zahnärztlichen Berufsstands, die oft leise im Hintergrund stattfinden. Die Arbeit trägt allerdings maßgeblich zu den Erfolgen in der Mundgesundheit bei und hat gesundheitspolitisch an Gewicht gewonnen, sagt DAJ-Geschäftsführerin Dr. Steffi Beckmann. Im Dezember 2025 hat Berlin das tägliche Zähneputzen in Kitas als verbindliche Vorgabe in sein Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) aufgenommen. In Thüringen werben Zahnärzteschaft und die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Thüringen gemeinsam mit Gesundheitsministerin Katharina Schenk ebenfalls für das Zähneputzen in Kitas. Warum dauert es so lange, vergleichsweise einfache Maßnahmen flächendeckend zu etablieren? Dr. Steffi Beckmann: Ja, das sind die sprichwörtlichen Mühen der Ebene, an denen auch die Gruppenprophylaxe nicht vorbeikommt. Unsere letzten Epidemiologischen Begleituntersuchungen liegen inzwischen fast ein Jahrzehnt zurück. Sie zeigten ein beeindruckendes Ergebnis: Die Zwölfjährigen erreichten mit einem DMFTWert von 0,44 einen internationalen Spitzenplatz. Gleichzeitig offenbarte die Studie aber auch eine deutliche Schwachstelle: die hohe Karieslast im Milchzahngebiss. Doch Erkenntnisse allein verändern noch nichts. Sie müssen erst zu den Partnern der Gruppenprophylaxe, in die politischen Gremien und in die öffentliche Wahrnehmung getragen werden. Dieser Weg ist lang und verlangt kontinuierliche Überzeugungsarbeit. Fortschritte entstehen hier nicht über Nacht, sondern durch Beharrlichkeit, Engagement und einen langen Atem. Aber es geht voran und darüber freuen wir uns in der DAJ. Die Daten aus den Epidemiologischen Begleituntersuchungen dienten auch den zahnärztlichen Standesorganisationen KZBV und BZÄK, um Konzepte zur Bekämpfung der frühkindlichen Karies zu erarbeiten. Wie wichtig ist das für Ihre Arbeit? Das hat unseren gemeinsamen Anstrengungen einen starken Auftrieb gegeben – allein schon dadurch, dass das Problem der Milchzahnkaries in gesundheitspolitischen Fachkreisen und in der Öffentlichkeit viel breitere Aufmerksamkeit erfahren hat. Welche Auswirkungen hatte die Pandemie mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens auf die Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen? Viele Kinder haben ihre etablierten häuslichen Routinen zur Zahn- und Mundpflege beibehalten oder sogar intensiviert. Entgegen der anfänglichen Befürchtungen führte die Pandemie bei einem Großteil der Kinder und Jugendlichen daher nicht zu einem Rückgang der Mundhygiene. Eine Studie aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Schluss, dass „die untersuchten Kinder die Pandemie ohne einen signifikanten Dr. Steffi Beckmann ist Geschäftsführerin der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ). Foto: privat zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (528) EPIDEMIOLOGISCHE BEGLEITUNTERSUCHUNGEN DIEGRÖẞTE STUDIE ZUR MUNDGESUNDHEIT VON KINDERN UND JUGENDLICHEN IN DEUTSCHLAND Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) koordiniert die gruppenprophylaktischen Maßnahmen der Landesarbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege auf Bundesebene und veröffentlicht in größeren zeitlichen Abständen mit den „Epidemiologischen Begleituntersuchungen“ die bundesweit größte Studie zur Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Für die aktuelle Studie unter der Leitung von PD Dr. Julian Schmoeckel, PD Dr. Ruth Santamaria und Prof. Dr. Christian Splieth aus Greifswald untersuchen über 700 Zahnärztinnen und Zahnärzte über 300.000 Kinder und Jugendliche. Damit entsteht die umfangreichste Datenbasis zur Mundgesundheit in dieser Altersgruppe in Deutschland. Die Publikation ist für 2027 vorgesehen.

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