Das Problem ist seit Jahren bekannt und dennoch lässt der große Wurf immer noch auf sich warten. Kaum ein Parteiprogramm, in dem das Thema Bürokratieabbau zumindest als Stichwort nicht prominent auftaucht. Und auch die aktuelle Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag festgehalten, die Dokumentationspflichten und Kontrolldichten durch ein Bürokratieentlastungsgesetz im Gesundheitswesen massiv verringern zu wollen. Allein die Umsetzung steht noch aus. Gerade dieser Tage hören wir viel darüber, dass die Zukunft der Gesundheitsversorgung von notwendigen Sparmaßnahmen und echten Strukturreformen abhängig sei. Immer neue Vorschläge werden öffentlich diskutiert. Zu einem zukunftsfesten Gesundheitssystem gehören aber vor allem adäquate Rahmenbedingungen für die freiberuflichen Praxen, wozu auch eine schlanke Bürokratie zählt. In Ihrem Alltag in den Zahnarztpraxen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und in dem Ihrer Praxisteams spielen Bürokratie und Verwaltungsaufgaben heute eine große Rolle. Große Teile wertvoller Zeit, die der Patientenversorgung zugutekommen sollte, werden durch diese Aufgaben gebunden. Es ist daher mehr als nachvollziehbar, dass Sie die Vielzahl bürokratischer Anforderungen als erhebliche Belastung empfinden, die im laufenden Praxisbetrieb zunehmend an die Grenzen des Zumutbaren stößt. Diese Bürokratielasten müssen endlich spürbar reduziert werden. Zumal die überbordende Bürokratie auch ein wesentlicher Grund dafür ist, dass immer mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte überlegen, früher aus der Versorgung auszuscheiden. Gleichzeitig schreckt sie viele Niederlassungswillige von der Übernahme oder der Gründung einer eigenen Praxis ab. Eine Analyse im Rahmen unseres im Herbst veröffentlichten Aktionsplans „Versorgung sichern – Strukturen stärken“ belegt abermals, dass anziehende Rahmenbedingungen bei der Frage der Niederlassung ein entscheidender Faktor sind. Damit diese Bereitschaft hoch bleibt, ist es essenziell, die Rahmenbedingungen für die Praxen vor Ort attraktiver zu gestalten – angefangen bei einem konsequenten Abbau überflüssiger Bürokratielasten. Hier ist die Politik klar gefordert. Ein umfassender Bürokratieabbau im Gesundheitswesen wurde vom Gesetzgeber viel zu lange aufgeschoben und ist somit längst überfällig. Schon seit Langem liegen unsere Vorschläge auf dem Tisch, umständliche, überflüssige oder unverhältnismäßige Vorgaben endlich abzubauen. Die Ampel-Regierung hatte es verpasst, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen, obwohl ein „Bürokratieabbaupaket“ für das Gesundheitswesen bereits damals im Koalitionsvertrag vereinbart war. Umso dringender appellieren wir an die jetzige Bundesregierung, die Chance zu nutzen und dieses Versäumnis zu korrigieren. Auch hierbei bieten wir der Bundesregierung unsere Unterstützung an. Gemeinsam mit der Bundeszahnärztekammer haben wir unseren bisherigen Maßnahmenkatalog aktualisiert und unterbreiten den politischen Entscheidungsträgern damit nun erneut konkrete Vorschläge. Ein wesentlicher Baustein für die Erstellung des Maßnahmenkatalogs war seinerzeit eine Online-Befragung innerhalb der Zahnärzteschaft, in deren Vordergrund die Erfahrungen im Praxisalltag mit besonders belastenden und zeitintensiven Bürokratieaufwänden standen. Und die Ergebnisse sprachen eine deutliche Sprache. Dabei wurden die Telematik/EDV-Technik, die Hygienevorschriften und das Qualitätsmanagement als besonders belastend eingestuft. Zu diesen Themen sowie zu weiteren Bereichen enthält unser Maßnahmenkatalog Vorschläge für versorgungsorientierte Lösungen. Es liegt nun an der Bundesregierung, unsere Vorschläge so bald wie möglich im Rahmen des angekündigten Bürokratieentlastungsgesetzes aufzugreifen und so die zahnärztliche Versorgung und damit vor allem Sie und Ihre Teams im Praxisalltag gezielt von unnötigen Verwaltungsaufgaben zu befreien. Wir setzen uns mit aller Kraft bei der Politik dafür ein – darauf können Sie sich verlassen. Martin Hendges Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung Die Bürokratie muss spürbar reduziert werden 6 | LEITARTIKEL Foto: Jan Knoff, Cologne
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