Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

64 | NACHRICHTEN NEWS zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (538) AOK-ANALYSE ZUR ELEKTRONISCHEN AU Krankenstand wegen Statistikeffekt um 2,5 Tage höher Laut einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ist das hohe Niveau der Fehlzeiten seit 2022 vor allem auf einen statistischen Effekt infolge der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurückzuführen. Die eAU hat demnach dazu geführt, dass insbesondere Kurzerkrankungen vollständiger erfasst werden. 2025 fielen die bei der AOK versicherten Beschäftigten im Durchschnitt 23,3 Tage krankheitsbedingt aus. Damit liegen die Fehlzeiten leicht unter dem Niveau des Vorjahres mit 23,9 Krankheitstagen sowie etwa einen Tag unter dem bisherigen historischen Höchststand von 2022 mit 24,5 Tagen. In einer Modellrechnung zeigt das WIdO, dass bei einer Fortschreibung der AU-Tage aus den Jahren 2016 bis 2019 ein deutlich geringerer Anstieg der Fehlzeiten zu erwarten gewesen wäre als im Jahr 2025 tatsächlich gemessen wurde. Laut dieser Modellierung wurden für das Jahr 2025 insgesamt 20,8 Fehltage ermittelt. Dies entspricht einem Unterschied von mehr als 10 Prozent beziehungsweise 2,5 AU-Tagen zum tatsächlichen Wert. „Die Einführung der elektronischen Krankschreibung im Jahr 2022 hat zu einer bemerkenswerten Niveau-Verschiebung nach oben geführt“, bestätigt WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. So wurden seit 2022 deutlich mehr AU-Tage aufgrund von Erkrankungen bis 14 Tage verzeichnet: Während 2016 noch 6,7 AU-Tage auf diese kurzen Erkrankungen zurückzuführen waren, waren es 2022 bereits 10,1 Tage und 2025 durchschnittlich 9,1 Tage. Bei längeren Erkrankungen von mehr als sechs Wochen waren im ausgewerteten Zeitraum dagegen keine vergleichbaren Verschiebungen zu beobachten. „Der starke Anstieg der beruflichen Fehlzeiten wegen KurzzeitErkrankungen ist ein Hinweis darauf, dass wir in unserer Statistik jetzt viele Fälle erfassen, die den Krankenkassen früher nicht gemeldet worden sind“, erläutert Schröder. Seit der Einführung der eAU im Jahr 2022 werden alle AU-Bescheinigungen automatisch von den Arztpraxen an die Krankenkassen geschickt. Zuvor waren die Versicherten dafür verantwortlich, die Papierbescheinigungen an ihre Krankenkasse zu übermitteln – was insbesondere bei kurz andauernden Erkrankungen oft nicht zuverlässig geschah. „Folgerichtig sehen wir seit Einführung der eAU einen deutlichen Anstieg der Krankmeldungen infolge kurzer Erkrankungen“, so Schröder. Für die Analysen des WIdO wurden die Daten von etwa 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten ausgewertet. ck UNI WITTEN/HERDECKE WERTET 800 BERICHTE AUS Rassismus im Gesundheitswesen ist kein Einzelfall Rassistische Erfahrungen im Gesundheitswesen sind kein Einzelfall – das haben Forschende des Lehrstuhls für Versorgungsforschung der Universität Witten/Herdecke (UW/H) herausgefunden. Dafür analysierten sie rund 800 OnlineBeiträge auf verschiedenen Bewertungsplattformen wie jameda.de und klinikbewertungen.de sowie auf YouTube und TikTok. Die Posts wurden sowohl quantitativ nach häufig genannten Themen als auch qualitativ nach ihren Inhalten und den darin geschilderten emotionalen Erfahrungen ausgewertet. Besonders häufig berichteten Patientinnen und Patienten von Benachteiligungen aufgrund ihrer Sprache und Herkunft. Verständigungsprobleme führten demnach in einigen Fällen dazu, dass Beschwerden nicht ernst genommen oder falsch eingeschätzt wurden, was sich wiederum auf die Diagnose und Behandlung auswirkte. Auffällig war für die Forschenden die Intensität vieler Beiträge. „Die Menschen schildern ihre Erfahrungen sehr detailliert – offenbar auch, weil sie sonst kaum Gehör finden“, sagt Dr. Tuğba Aksakal, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Versorgungsforschung. Die Studie zeigt außerdem, dass auch institutionelle und strukturelle Faktoren eine Rolle spielen, beispielsweise wenn Patienten aufgrund fehlender Dolmetschangebote wichtige Informationen nicht verstehen, Formulare und Aufklärungsbögen nur auf Deutsch vorliegen oder kulturelle Unterschiede im medizinischen Alltag wenig berücksichtigt werden. Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden mehrere Empfehlungen ab: verpflichtende Trainings zu interkultureller Kompetenz für Gesundheitsberufe, transparente Antidiskriminierungsrichtlinien und Beschwerdeverfahren sowie mehr Diversität in Führungspositionen im Gesundheitswesen. mg Der Studie zufolge findet Diskriminierung im deutschen Gesundheitswesen nicht nur auf persönlicher Ebene statt. Vielmehr spielen auch institutionelle und strukturelle Faktoren eine Rolle. Foto: N F/peopleimages.com - adobe.stock.com

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