Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (542) 68 | PRAXIS STUDIE UNTERSUCHT NUTZEN DES CHAIRSIDE-BLUTTESTS ZUR DIABETES-FRÜHERKENNUNG Eine Diabetesdiagnostik beim Zahnarzttermin ist sehr sinnvoll! Mit einem einfachen Bluttest chairside lassen sich zuvor unentdeckte Diabeteserkrankungen diagnostizieren: Bei einem Drittel der Patienten, die in Großbritannien eine zahnärztliche Kontrolluntersuchung absolvierten, wurde ein HbA1c-Wert im Diabetes- oder Prädiabetes-Bereich festgestellt – ohne dass sie von ihrer Erkrankung wussten. Schätzungen zufolge könnten in Großbritannien rund 1,3 Millionen Menschen mit einem unentdeckten Diabetes Typ 2 leben. Um diese Schätzung prüfen zu können, hat eine Studie des King's College London den möglichen Nutzen eines ChairsideBluttests zur Diabetes-Früherkennung in Zahnarztpraxen untersucht. In der bislang größten britischen Studie dieser Art wurde bei Patienten des Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust während routinemäßiger zahnärztlicher Termine der HbA1c-Wert mittels eines Bluttests ermittelt. Dieser Test misst den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vergangenen acht bis zwölf Wochen (Langzeitblutzucker) und dient der Diabetesdiagnostik. Für die Studie wurde die medizinische und zahnärztliche Anamnese von insgesamt 911 Patienten erhoben. Der HbA1c-Test wurde direkt am Behandlungsstuhl durchgeführt und mit den parodontalen klinischen Daten korreliert. Höhere HbA1c-Spiegel wurden insbesondere bei Patienten mit schwererer Parodontitis beobachtet. HöhereHbA1c-Spiegel bei Parodontitis-IV-Patienten Von den 911 Patienten waren 6,0 Prozent parodontal gesund, 11,3 Prozent litten an Gingivitis und 82,7 Prozent an Parodontitis, verteilt auf die Stadien I bis IV. 104 Patienten gaben an, an Diabetes Typ 2 erkrankt zu sein. Der mittlereHbA1c-Wert betrug 5,71 ± 0,94 Prozent. Unter Ausschluss derjenigen, die angaben, an Diabetes Typ 2 erkrankt zu sein, befanden sich 227 Personen (28,7 Prozent) im Prädiabetes-Bereich (HbA1c-Wert zwischen 5,7 und 6,3 Prozent) und 58 Personen (7,3 Prozent) im Diabetes-Bereich. DieHbA1c-Werte stiegen von der Diagnose „parodontale Gesundheit“ (5,43 ± 0,51 Prozent) über „Gingivitis“ (5,51 ± 0,91 Prozent) bis „Parodontitis“ (5,76 ± 0,97 Prozent) an (p = 0,004). Die adjustierte lineare Regression zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen Alter und HbA1c (p < 0,001) sowie einen grenzwertigen Zusammenhang mit der Parodontitis-Diagnose (p = 0,054). Erstautor Prof. Mark Ide hebt den Nutzen des Bluttests heraus: „Wenn der Test hohe HbA1c-Werte aufdeckt, können Patienten ihren Hausarzt konsultieren, um sich weiter untersuchen zu lassen. Dies ist etwas, was sie vielleicht ohne das Screening beim Zahnarzt nicht getan hätten. Die meisten Patienten in unserer Studie waren überrascht, dass sie erhöhte HbA1c-Spiegel hatten, und hatten keine Ahnung, dass sie Prä-Diabetes oder Diabetes haben könnten.“ In diesem Sinne, so die Schlussfolgerung der Studienautoren, biete das Screening in der Zahnarztpraxis eine gute Gelegenheit, bislang unentdeckten Diabetes zu diagnostizieren. br Ide M. et al., Association between HbA1c chairside values and periodontitis, Journal of Dentistry, Volume 167, 2026, 106563, ISSN 0300-5712, https://doi. org/10.1016/j.jdent.2026.106563. Die gemessenen HbA1c-Werte lagen bei einem Drittel der Studienteilnehmer im Bereich von Prädiabetes oder Diabetes. Foto: Kings College

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