70 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Chirurgische Therapie bei rezidivierender Ranula Daniel Stephan, Diana Heimes, Daniel G. E. Thiem, Peer W. Kämmerer Rezidivierende Ranulae des Mundbodens stellen trotz benigner Genese eine therapeutische Herausforderung dar. Dieser Fall zeigt, wie durch die Wahl eines rein transoralen Zugangs eine kausale chirurgische Therapie auch bei komplexer plunging Ranula mit geringem Komplikationsrisiko sicher umgesetzt werden kann. Im Oktober 2025 stellte sich eine 19-jährige Patientin, überwiesen durch den Hauszahnarzt, aufgrund einer ausgeprägten Schwellung des Mundbodens vor. Anamnestisch bestanden die Beschwerden seit circa drei Monaten, Atem- oder Schluckbeschwerden lagen nicht vor. Die Frau gab an, dass bereits drei Jahre zuvor eine Ranula linksseitig im Mundboden alio loco entfernt worden war. Weitere Vorerkrankungen oder Allergien waren nicht bekannt. Bei der körperlichen Untersuchung präsentierte sich extraoral ein weitgehend regelrechter Untersuchungsbefund. Es waren keine Schwellungen oder Entzündungszeichen ersichtlich. Die Mundöffnung war nicht eingeschränkt. Der Mundboden präsentierte sich beidseits prall-elastisch angehoben (Abbildung 1). Die erweiterte radiologische Bildgebung mittels MRT zeigte in T2-Wichtung eine homogene, grob lobulierte Flüssigkeitskollektion beidseits am anterioren Mundboden (Abbildung 2). Darüber hinaus präsentierte sich linksseitig eine weitere, posteriore, Logen-überschreitende Ausdehnung mit geringer Septierung und distinkten Kompartimenten im Sublingualsowie im mittleren und im posterioren Submandibularraum mit jeweils zwischenliegenden schmalen Ganganteilen mit mutmaßlich flussbedingter T2w-Signalminderung. Auch im posterokaudalen Randkompartiment am Angulus mandibulae zeigte sich eine diffuse randständige Kontrastmittelaufnahme ohne Nachweis solider Komponenten. Linksseitig bestand keine sichere Abgrenzbarkeit der Glandula sublingualis. Insgesamt war dieser Befund MRT-morphologisch vereinbar mit einer plunging Ranula, jedoch ohne sicheren Nachweis freier Kommunikation aller Kompartimente. Aufgrund der Größe und der Lokalisation sowie dem rezidivierenden Auftreten wurde ein operatives Vorgehen mit vollständiger Entfernung der Glandulae submandibularis und sublingualis links angestrebt. In Intubationsnarkose erfolgte nach Darstellung und Schienung des Ausführungsgangs zuerst die Dissektion des Zystenbalgs. Die Präparation konnte nach distal fortgeführt und nach Darstellung und Umschlingung des N. lingualis abschließend die Gl. sublingualis (Abbildung 3a) sowie die Gl. submandibularis (Abbildung 3b) komplikationslos in toto reseziert werden (Abbildung 3c). Die Submandibulektomie erfolgte dabei rein über einen zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (544) Abb. 1: Präoperative Darstellung der bläulich-schimmernden, prall elastischen, beidseitigen Mundbodenschwellung mit deutlicher Größenprogredienz zwischen der Erstvorstellung (a) und der Operation (b) Fotos: Universitätsmedizin Mainz a b
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