Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

ZAHNMEDIZIN | 71 transoralen Zugang. Abschließend wurde unter Einlage einer Drainage der Wundverschluss durchgeführt (Abbildung 3d). Die histopathologische Aufarbeitung der Präparate (der in mehreren Anteilen eingesandten Gl. submandibularis) ergab den Nachweis einer Pseudozyste, vereinbar mit einer Ranula. Zudem kamen lipomatöses Gewebe mit eingefassten Speicheldrüsenausführungsgängen sowie eine chronische Entzündung mit geringer Fibrose zur Darstellung. Insgesamt entsprach der Befund damit in erster Linie einer periläsionären Speicheldrüsenatrophie ohne Anhalt einer IgG4-assoziierten Erkrankung. Der weitere postoperative Verlauf gestaltete sich regelrecht. In den Nachuntersuchungen zeigte sich die Patientin beschwerdefrei bei reizloser Mundbodenschleimhaut ohne erneutes Rezidiv. Diskussion Dieser Fall einer rezidivierenden, beidseits imponierenden Mundbodenschwellung verdeutlicht exemplarisch die diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen bei der Behandlung komplexer Ranulae. Während einfache orale Ranulae in der Regel eine klar umschriebene und lokal begrenzte Entität darstellen, ist die plunging Ranula durch ihre variable Ausdehnung, ihre mögliche multilokuläre Manifestation und ihr Rezidivpotenzial gekennzeichnet [Harrison, 2011; Patel et al., 2009]. Insbesondere bei voroperierten Patienten erfordert dies eine differenzierte Abwägung des operativen Vorgehens. Ranulae werden klassischerweise als Extravasations-Pseudozysten definiert, die überwiegend aus der Glandula sublingualis hervorgehen [Harrison, 2011]. Im Unterschied zu Retentionszysten fehlt ihnen eine epitheliale Auskleidung, so dass es sich pathogenetisch nicht um echte Zysten handelt. Historisch wurde der Begriff „Ranula“ in der Literatur jedoch nicht immer einheitlich verwendet und umfasste teils auch genuine Gangzysten oder andere zystische Läsionen des Mundbodens, was zu heterogenen Therapieempfehlungen geführt hat. Die heute akzeptierte Abgrenzung der Ranula als Extravasationsphänomen ist für das Verständnis der Pathogenese und die Wahl einer kausalen Therapie entscheidend [Bowers und Schaitkin, 2021]. Die plunging Ranula entsteht, wenn Speichel durch oder um den Musculus mylohyoideus in die submandibulären oder in die tieferen zervikalen Kompartimente vordringt [Parekh et al., 1987]. Anatomische Varianten wie Mylohyoiddehiszenzen oder ektopes Drüsengewebe begünstigen diese zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (545) Abb. 2: MRT-morphologische Darstellung der in T2-Wichtung signalangehobenen, grob lobulierten Flüssigkeitskollektion am Mundboden beidseits sowie im linken Sublingual- und Submandibularraum (weißer Pfeil) axial in T2-Wichtung (a) und coronal in T1-Wichtung (b) Fotos: Universitätsmedizin Mainz CME AUF ZM-ONLINE Chirurgische Therapie bei rezidivierender Ranula Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK. a b Dr. med. Dr. med. dent. Diana Heimes Klinik und Poliklinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie – Plastische Operationen, Universitätsmedizin Mainz Augustusplatz 2, 55131 Mainz Foto: privat Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, MA, FEBOMFS Leitender Oberarzt/ Stellvertr. Klinikdirektor Klinik und Poliklinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie – Plastische Operationen, Universitätsmedizin Mainz Augustusplatz 2, 55131 Mainz Foto: Kämmerer PDDr. Dr. Daniel G. E. Thiem, MHBA Klinik und Poliklinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie – Plastische Operationen, Universitätsmedizin Mainz Augustusplatz 2, 55131 Mainz Foto: Thiem Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Stephan Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – Plastische Operationen, Universitätsmedizin Mainz Augustusplatz 2, 55131 Mainz Foto: Universitätsmedizin Mainz

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