Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

72 | ZAHNMEDIZIN Ausbreitung und erklären, weshalb plunging Ranulae auch ohne ausgeprägte intraorale Komponente auftreten können [Morton et al., 2010]. Diese anatomische Prädisposition unterscheidet die Ranula grundlegend von Mukozelen kleiner Speicheldrüsen sowie von posttraumatischen Sialozelen großer Speicheldrüsen. Kongenitale Ranulae stellen eine seltene Sonderform dar, die überwiegend im Neugeborenen- oder Säuglingsalter auftritt und pathogenetisch meist auf ductale Entwicklungsstörungen zurückzuführenist. Im vorliegenden Fall zeigte die präoperative Bildgebung eine komplexe, multilokuläre Flüssigkeitsansammlung mit Logen-überschreitender Ausdehnung sowie fehlender klarer Abgrenzbarkeit der Glandula sublingualis. Diese Befundkonstellation war vereinbar mit einer plunging Ranula und wies zugleich auf eine fortgeschrittene, strukturell komplexe Erkrankung hin. Das anamnestisch bekannte Rezidiv nach vorausgegangener Ranula-Operation unterstreicht die Bedeutung einer konsequent kausalen Therapie, da isolierte Zystenentfernungen oder marsupialisierende Verfahren mit signifikant erhöhten Rezidivraten assoziiert sind [Zhao et al., 2004]. Der entscheidende therapeutische Schritt ist dabei die Exzision der Glandula sublingualis, da sie die Quelle der persistierenden Speichelextravasation eliminiert [Parekh et al., 1987]. Dementsprechend geht die vollständige Entfernung der Drüse sowohl bei oralen als auch bei plunging Ranulae mit den niedrigsten Rezidivraten einher, während marsupialisierende oder sklerosierende Verfahren deutlich weniger zuverlässig und mit höheren Rezidivraten assoziiert sind [Chung et al., 2019]. Die Indikation zur zusätzlichen Resektion der Glandula submandibularis wird in der Literatur kontrovers diskutiert und sollte individuell gestellt werden. Während bei den meisten plunging Ranulae die alleinige Entfernung der Glandula sublingualis ausreichend ist, kann bei ausgedehnten, multilokulären oder rezidivierenden Befunden mit Beteiligung des submandibulären Raumes eine Mitresektion der Glandula submandibularis sinnvoll sein [Lesperance, 2013; Suresh et al., 2019]. In diesem Fall legten die bildgebende Ausdehnung, die fehlende sichere Abgrenzbarkeit der sublingualen Drüse sowie das rezidivierende Auftreten nahe, dass eine alleinige sublinguale Drüsenexzision möglicherweise nicht ausreichend gewesen wäre, so dass die kombinierte Drüsenresektion zur Minimierung des Rezidivrisikos indiziert erschien. Dabei war es möglich, die Submandibulektomie vollständig über einen rein transoralen Zugang durchzuführen. Transorale Verfahren werden in der Ranula-Chirurgie zunehmend favorisiert, da sie bei entsprechender operativer Expertise eine sichere Darstellung der relevanten anatomischen Struktuzm116 Nr. 07, 01.04.2026, (546) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Abb. 3: Intraoperativer Situs mit transoraler Darstellung der Gl. sublingualis (weißer Pfeil – a) und submandibularis (weißer Pfeil – b) mit rot umschlungenem N. lingualis in situ und nach Resektion (c) sowie des transoralen Zugangs nach Wundverschluss und Lascheneinlage (d) a c d b Fotos: Universitätsmedizin Mainz

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