Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

ZAHNMEDIZIN | 75 KOHORTENSTUDIE AUS DÄNEMARK MIT ÜBER 500.000 KINDERN Schlechte Mundgesundheit im Kindesalter erhöht das Risiko für Herzerkrankungen Schon in der Kindheit wird festgelegt, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert, vermuten Forschende der Universität Kopenhagen. Denn: Kinder mit starker Karies oder schwerer Gingivitis haben später als Erwachsene ein viel höheres Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und koronare Herzkrankheiten. Dies zeigt eine Kohortenstudie mit über 500.000 Kindern. Für ihre Kohortenstudie analysierten Forschende der Universität Kopenhagen (UCPH) Daten aus dem Nationalen Kinderzahnregister der dänischen Gesundheitsbehörde von 568.778 zwischen 1963 und 1972 geborenen Kindern. Diese Werte verglichen sie mit Daten des Nationalen Patientenregisters zu Herz-KreislaufErkrankungen aus den Jahren 1995 bis 2018, in denen die Probanden zwischen 30 und 56 Jahren alt waren. Die Wissenschaftler identifizierten im Ergebnis mehrere auffällige Muster. So hatten Kinder mit zahlreichen Kariesstellen im Erwachsenenalter ein um bis zu 45 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu Kindern mit wenigen Kariesstellen. Bei Kindern mit schwerer Gingivitis lag das Risiko um bis zu 41 Prozent höher. „Die Zahlen variieren zwar je nach Geschlecht, der Trend ist aber für beide Gruppen eindeutig“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Je schlimmer die Zahnprobleme im Kindesalter waren, desto höher war später die Gefahr für Herz-KreislaufErkrankungen. Was erklärt also den Zusammenhang zwischen Zahnerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Die Forschenden können diese Frage anhand ihrer Studie nicht mit Sicherheit beantworten, da sie die Ursachen nicht untersucht, sondern lediglich statistische Korrelationen ermittelt haben. Sie vermuten jedoch, dass Entzündungen eine Rolle spielen. „Wir vermuten, dass die Exposition gegenüber hohen Entzündungswerten in Form von Zahnfleischerkrankungen und Karies bereits in der Kindheit Einfluss darauf haben kann, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, sagt Studienautorin Nikoline Nygaard. Sie und ihre Kollegen verweisen in diesem Zusammenhang neben weiteren Studien auf den Konsensusbericht der World Heart Federation. Demzufolge gibt es starke Belege dafür, dass Parodontitis das Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen erhöht. Der Bericht legt nahe, dass Bakterien aus dem Zahnfleisch systemische Entzündungen an anderen Stellen im Körper auslösen und so Arteriosklerose und damit HerzKreislauf-Erkrankungen beschleunigen können. Kids mit schwerer Parodontitis entwickeln eher Diabetes In einer weiteren Studie untersuchten Nygaard und ihre Kollegen den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Typ-2-Diabetes und stellten ein ähnliches Muster fest: Kinder mit schwerer Parodontitis hatten ein um bis zu 87 Prozent erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, während das Risiko bei Kindern mit mehreren Kariesstellen um 19 Prozent höher war. „Wir können nicht ausschließen, dass der Lebensstil eine wichtige Rolle spielt. Selbst nach Berücksichtigung des Bildungsniveaus ist die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch relativ hoch“, sagt Nygaard. Obwohl die Studie lediglich Korrelationen zwischen Mundgesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht und somit keinen Kausalzusammenhang belegen kann, deuten die Forschenden sie dennoch als Hinweis auf ein erhebliches Präventionspotenzial: „Dies ist besonders relevant, da Karies im Kindesalter weltweit zu den häufigsten Erkrankungen zählt – und sowohl Karies als auch Zahnfleischerkrankungen durch gründliches Zähneputzen relativ einfach verhindert werden können.“ ck Nygaard, N., D’Aiuto, F., Eriksen, A. K., et al. (2026). Childhood oral health is associated with the incidence of atherosclerotic cardiovascular disease in adulthood. International Journal of Cardiology. DOI: https://doi. org/10.1016/j.ijcard.2025.134151. Foto: Viktoriia M - stock.adobe.com zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (549)

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