76 | GESELLSCHAFT HILFSEINSATZ MIT DIANO Licht und Schatten sind nahe beieinander in der Dominikanischen Republik Huong Tra Dinh, Tino Rickert, Britta Lohn Arbeiten im Schatten eines Grenzzauns zu Haiti, in einer abgelegenen Klinik unweit des Dschungels und in einer stillgelegten Praxis – unser Hilfseinsatz führte uns tief in die unterversorgten Orte der Dominikanischen Republik, wo die Tourismuskulisse fast nahtlos in das Elend der Geflüchteten in den Lagern übergeht. Ende 2025 reisten wir – Britta Lohn und Tino Rickert – aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Aachen für einen zahnärztlichen Hilfseinsatz in die Dominikanische Republik. Unser Team unterstützte die Kinderzahnärztin Huong Tra Dinh aus Hamburg. Die Planung und Koordination erfolgte durch den Verein DIANO; dessen Gründer, der Zahnarzt Dr. Tobias Bauer, half uns, den Einsatz organisatorisch und logistisch zu planen. Wir Team-Mitglieder brachten Erfahrungen aus früheren Hilfseinsätzen mit und freuten uns, wieder in einem Land mit unzureichender zahnmedizinischer Versorgung helfen zu können. In der Dominikanischen Republik decken staatliche Leistungen nur eine begrenzte Grundversorgung ab, Füllungen oder Prophylaxe-Behandlungen müssen in der Regel selbst bezahlt werden. Laut WHO liegen die Gesundheitsausgaben insgesamt unter den internationalen Durchschnittswerten, was sich besonders in der Prävention zeigt. Zwar gibt es Programme zur Mundhygiene-Aufklärung in Schulen, aber nicht flächendeckend. Der Konsum zuckerhaltiger Getränke und die mangelnde Ernährungsaufklärung gelten als zentrale Ursachen für die hohen Kariesraten bei Kindern. Professionelle Zahnreinigungen kosten in der Regel 40 bis 80 US-Dollar – für die Einheimischen meist zu teuer. Hinzu kommt, dass die Praxen nicht gleichmäßig im Land verteilt sind: In städtischen Regionen ist die Versorgung gut, auf dem Land gibt es dagegen große Defizite. Besonders Migranten aus Haiti ohne gesicherten Aufenthaltsstatus haben häufig keinen Zugang zu regulären Gesundheits- und Zahnleistungen und fallen damit durchs Raster. Kreuzfahrttourismus neben Flüchtlingslagern Unser erster Einsatzort war Pedernales, ein Grenzort zu Haiti. Hier prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite wachsen riesige Baukomplexe für den Tourismus aus dem Erdboden, vor allem getrieben durch Besucher von Kreuzfahrtschiffen. Auf der anderen Seite herrscht in den Flüchtlingslagern an der haitianischen Grenze große Armut. In einer Schule haben wir den Kids gezeigt, wie sie ihre Zähne pflegen sollen– umso wichtiger bei dem hohen Zuckerkonsum im Land. Fotos: Britta Lohn_DIANO e. V. zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (550) Die zahnärztliche Behandlung fand in Comedero Abajo in einer ehemaligen Zahnarztpraxis statt.
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