GESELLSCHAFT | 77 Wir besuchten dort zuerst die Schule „Colegio Dominico Americano King’s Way“. Ein Pfarrer betreut die Kinder des Flüchtlingslagers, gibt EnglischUnterricht und bietet ihnen eine warme Mahlzeit. Wir konnten einen Vormittag mit den Kindern verbringen und nutzten die Gelegenheit, um ihnen Mundhygiene zu vermitteln. Anschließend bauten wir im Flüchtlingslager unter einfachsten Bedingungen im Schatten des Grenzzauns zu Haiti unsere Behandlungseinheit auf. Die Lagerbewohner kamen schon bald interessiert näher und boten ihre Hilfe an. Mithilfe weißer Laken konnten wir sogar etwas Privatsphäre bei den Behandlungen schaffen. Die medizinische Ausstattung war begrenzt: Strom war nur teilweise verfügbar. Bei großen Ausfällen konnten wir auf ein Notstromaggregat und einen Kompressor zurückgreifen, die DIANO speziell für solche Einsätze bereitstellt. Unsere Patienten, haitianische Flüchtlinge, hatten keinen Versicherungsschutz in der Dominikanischen Republik und wiesen einen entsprechend hohen zahnärztlichen Versorgungsbedarf auf. Unter den gegebenen Bedingungen führten wir hauptsächlich prophylaktische und grundlegende konservierende Maßnahmen sowie Zahnextraktionen durch. In Landesinneren und im „Monkey Jungle“ Von Pedernales aus ging es nach Comedero Abajo im Landesinneren. Dort stand uns eine ehemalige Zahnarztpraxis zur Verfügung, die außerhalb der Hilfseinsätze nicht genutzt wird. Ein Putzeinsatz war also Pflicht. Trotz der eingeschränkten Infrastruktur dort haben die regelmäßigen Einsätze Wirkung gezeigt: Viele Patientinnen und Patienten verfügten über eine gute Mundhygiene und teilweise über intakten Zahnersatz aus früheren Behandlungsphasen. Die vorhandenen Räumlichkeiten ermöglichten uns strukturierte Abläufe. In den Nachbarräumen läuft ein Prophylaxeprojekt zur Diabetes- und BluthochdruckTherapie. Das ermöglichte eine sichere Lagerung der Verbrauchsmaterialien, eine strukturierte Dokumentation und eine breitere Versorgung als am ersten Einsatzort am Grenzzaun. Unser letzter Einsatzort lag an der Nordküste, im „Monkey Jungle“, rund 30 Minuten vom Touristenort Cabarete entfernt. Hier befindet sich die Klinik Ritzen Memorial, erreichbar über einen schwer zugänglichen Schotterweg im Dschungel. Die Klinik verfügt über mehrere funktionsfähige Behandlungseinheiten und ein gut sortiertes Materiallager. Rob Perkins und sein Team betreiben die Touristenattraktion Monkey Jungle mit Zipline, gleichzeitig koordinieren sie die Praxisräume, die Patientenzuweisung und den Transport. Die Patienten stammen überwiegend aus gemeinnützigen Organisationen vor Ort. So konnten wir in zwei Tagen über 40 Mädchen und junge Frauen der Organisation „The Mariposa Foundation“, ein Bildungsund Förderprogramm für Frauen, behandeln. Der zweiwöchige Einsatz hat uns die großen strukturellen Unterschiede der zahnmedizinischen Versorgung innerhalb der Dominikanischen Republik gezeigt – von improvisierten Behandlungsumgebungen im Grenzgebiet bis hin zu gut ausgestatteten Praxen im Norden. n zm116 Nr. 07, 01.04.2026, (551) Unser Arbeitstag im „Monkey Jungle“ Huong Tra Dinh Kinderzahnärztin Foto: Zahnpiraten Hamburg DIANO Seit 2013 engagiert sich die Dental International Aid Networking Organisation e.V. (DIANO) ehrenamtlich auf Hispaniola. Mit einem Netzwerk freiwilliger Helfer will der Verein die zahnmedizinische Versorgung in Haiti, der Dominikanischen Republik, Kuba und Jamaika verbessern. Zusätzlich betreut DIANO dort Waisenhäuser, Schulen und lokale Krankenhäuser. Dr. med. Britta Lohn Fachzahnärztin für Oralchirurgie und für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Aachen Foto: Universitätsklinikum Aachen Tino Rickert Fachzahnarzt für Oralchirurgie Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Aachen Foto: Universitätsklinikum Aachen
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