Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

22 | PRAXIS WIE LÄUFT ES IM PRAXISALLTAG MIT DER EPA? Prozess statt Paukenschlag Seit etwa einem halben Jahr sind Zahnärztinnen und Zahnärzte verpflichtet, die elektronische Patientenakte (ePA) zu befüllen. Welche Rolle spielt die ePA in den Praxen? Wie ist der Status quo, was ist geplant, wo hakt es noch? Was muss passieren, damit die ePA einen echten Mehrwert bietet? Eine kurze Übersicht. Im vergangenen Jahr wurde die ePA allen Versicherten bereitgestellt, die nicht widersprochen haben. Für knapp 73 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben die gesetzlichen Krankenkassen damit eine E-Akte angelegt. Und doch nimmt das Interesse erst langsam zu. Wie die gematik jüngst mitteilte, verwaltet nur ein kleiner Teil der Versicherten (ca. 5 Prozent) die ePA aktiv über die App der Krankenkasse. In Zahnarztpraxen kommt die ePA vor allem im Rahmen der Anamnese zum Einsatz, es gibt hier aber weniger verpflichtende Anlässe zur Befüllung. Das ist keine bewusste Zurückhaltung der Zahnärzte, sondern ein Spiegel der Versorgung. Anders als Ärzte erstellen sie nämlich seltener Befundberichte für Dritte, die in die ePA übertragen werden müssen. Hinzu kommt: Die ePA profitiert vom Mitmachen der Patienten. Auf ihren Wunsch können weitere Daten aus der Behandlung in die ePA eingestellt werden. Doch viele Versicherte nutzen ihre Akte bislang nicht aktiv. Entsprechend selten entstehen in Zahnarztpraxen zusätzliche Einträge, etwa in das Zahnbonusheft, die über das Notwendige hinausgehen. Der eigentliche Wandel kommt erst noch Trotzdem kann die ePA bereits heute sinnvoll genutzt werden. Medikationsdaten oder einzelne Befunde können helfen, in der Behandlung schneller an relevante Gesundheitsinformationen zu kommen. Selbst eine schmale Akte kann wichtige Hinweise auf die Vorgeschichte der Patienten liefern. Wichtig ist auch, dass die ePA keine statische Akte ist. Sie wird dynamisch weiterentwickelt. Mit dem digital gestützten Medikationsprozess und dem digital gestützten Laborprozess starten in diesem Jahr zwei Funktionen, die Daten künftig besser verknüpfen und direkter nutzbar machen sollen. Weitere Anwendungen und Funktionen sind in Planung. Auch die Technik wird weiter verbessert: Neue Sicherheitsstandards oder die Weiterentwicklung der Infrastruktur zur TI 2.0 sollen die Voraussetzungen für einen stabilen und zukunftsfähigen Betrieb schaffen. Entscheidend ist aber noch etwas anderes: Die Weiterentwicklung der ePA braucht Impulse aus der Versorgung, aus den Praxen und aus der Selbstverwaltung. Denn maßgeblich für die Relevanz ist die Nutzersicht. So müssen beispielsweise native Bildformate in der ePA verarbeitet werden können, um für Zahnarztpraxen Mehrwerte zu schaffen. Was von oben verordnet wird, kann funktionieren, aber was aus der Versorgung heraus entsteht, wird genutzt. Christian Pfeifer Abteilung Telematik der KZBV In der Woche vom 13. bis 19. April 2026 griffen über 27.000 Zahnarztpraxen auf die ePA zu. Gleichzeitig riefen Nutzer aller Sektoren die elektronische Medikationsliste rund 22,7 Millionen Mal ab. Foto: © Simon Lehmann - PhotoGranary - adobe.stock.com zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (688)

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