In diesen Tagen muss man gute Nachrichten mit der Lupe suchen. Bei der großen Weltpolitik angefangen, die unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hat, bis hin zur deutschen Gesundheitspolitik, wo Bundesgesundheitsministerin Nina Warken demnächst umfassend den Rotstift ansetzen will. Da kommt insgesamt wenig Freude auf. Aber manchmal muss man für gute Nachrichten auch selbst sorgen. Und das tun wir Zahnärztinnen und Zahnärzte. Mit viel Einsatz und Engagement. Bekanntermaßen kämpfen wir in unseren Praxen schon länger um Auszubildende, die wir dann im Idealfall nach ihrer Lehre übernehmen können. Wir stehen damit in direkter Konkurrenz zu anderen Gesundheitsberufen und natürlich zu allen anderen Ausbildungsberufen. Das ist ein hartes Umfeld, auch wenn wir einen attraktiven Beruf anbieten können. Aber das nützt alles nichts, wenn wir diesen schönen Arbeitsplatz nicht bekannt machen und ins Bewusstsein der jungen Menschen – vor allem immer noch der jungen Frauen – und ihrer Eltern rufen. Gleichzeitig gilt es, das Berufsimage zu verbessern. Deswegen haben die Landeszahnärztekammern und die Bundeszahnärztekammer vor einigen Jahren eine ZFAAzubikampagne ins Leben gerufen. Was 2017 als Projekt in Nordrhein an den Start ging, ist heute eine hochprofessionelle Kampagne unter der Leitung der BZÄK. Wir haben uns mit Marketingexperten viele Gedanken gemacht, wie und wo wir die jungen Menschen am besten erreichen können. Und schnell war klar: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Soll heißen: Unsere Kampagne muss die Sprache der Jugendlichen sprechen. Im Jahr 2024 starteten wir deshalb fünf Kooperationen mit TikTok-Influencerinnen und hatten vier Anzeigenläufe bei Facebook, die sich speziell an die Mütter – als wichtige Ratgeberinnen bei der Berufswahl – richteten. Insgesamt erreichten wir damit 11 Millionen Aufrufe bei TikTok sowie 19.000 Website-Aufrufe. 2025 erweiterten wir die Strategie und haben erstmals auch Videos mit ZFA veröffentlicht, die natürlich eine besondere Glaubwürdigkeit haben. Gleichzeitig gab es ein Re-Design unserer Kampagnen-Website. Damit gelangen uns im vergangenen Jahr 13,2 Millionen Aufrufe und 40.000 Website-Aufrufe. Das sind mehr als beeindruckende Zahlen – aber mit Klicks allein sind noch keine Ausbildungsplätze besetzt. Entscheidend ist wie immer, was am Ende herauskommt. Und auf diese Ergebnisse können wir mit Fug und Recht stolz sein: So konnte seit Beginn der Kampagne die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 23 Prozent auf ein Allzeithoch von 17.396 gesteigert werden. Und das, obwohl die Corona-Pandemie dazwischen lag. Wir laufen damit im zahnärztlichen Bereich erfreulicherweise gegen den Trend: Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Ausbildungsverträge 2025 um 2,8 Prozent. Und noch ein paar Zahlen: 2024 bildeten rund 43 Prozent aller Zahnarztpraxen aus. Das ist eine tolle Quote. Knapp jedes zehnte Angestelltenverhältnis in Zahnarztpraxen ist damit ein Ausbildungsplatz. Für Frauen war ZFA 2024 der drittbeliebteste Ausbildungsberuf überhaupt. Dabei erweisen sich die Zahnarztpraxen außerdem als Integrationsmotor – bei jungen Frauen mit Migrationshintergrund war ZFA der am häufigsten ergriffene Ausbildungsberuf. Aber selbstverständlich darf man sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. Die Konkurrenz schläft ja nicht. Deshalb setzen wir die Kampagne weiter fort, evaluieren sie und justieren nach. Unser Ziel ist es, 2026 die Aufrufe bei den Influencern und dem eigenen Content auf 17 Millionen zu steigern. Bei den Website-Aufrufen wollen wir die 45.000er-Marke knacken. Unser langfristiges Ziel muss es sein, die Zahl der ZFA-Ausbildungsverträge dauerhaft zu erhöhen. Aber natürlich ist unser finales Ziel mit einer hohen Zahl an Ausbildungsplätzen noch nicht erreicht. Ebenso wichtig ist es in der Folge, die fertig ausgebildeten ZFA in den Praxen zu halten. Diese Aufgabe, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir dann gemeinsam zu einer Erfolgsgeschichte führen. Dr. Ralf Hausweiler Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Hier finden Sie die Website der ZFAKampagne: www.zfa-beruf.com Eine Erfolgsgeschichte – selbstgemacht 6 | LEITARTIKEL Foto: ZÄK Nordrhein / J. Rolfes
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